Seit dem Neustart der Liga nach dem Lockdown war das nun der 4. Spieltag ohne Zuschauerbeteiligung. Der LASK forderte den FC Red Bull Salzburg. Ursprünglich war nicht vorgesehen, dass wir unser „2. Wohnzimmer“ betreten dürfen, erst ein Ausfall eines anderen Journalisten ermöglichte uns den Eintritt in die „Heiligen Hallen“ von Wals-Siezenheim.

Friedhofsstimmung

Und so begibt man sich in Richtung Arena. Geparkt wird auf dem Skybox- bzw. Bulls‘ Corner-Parkplatz. Leichter Regen tröpfelt, gespenstische Stimmung. Kein Fan, kein Ordner, kein gar nichts. Die Akkreditierung bekommt man von bekannten Gesichtern. Der Fanbetreuer – umfunktioniert zum „Coronaregeln-Drillinstructor“ – übergibt Akkreditierung, macht auf Corona-Regeln aufmerksam, legt Listen zur Unterschrift vor. Alles relativ kurz und schmerzlos, aber vor allem einsam. Und mit Maske.

Ebenso einsam stapft man den West-Turm in Richtung Presseplätze nach oben. Das metallische Klacken der Stufen ist das einzige Geräusch weit und breit. Oben angekommen – der erste und einzige Ordner am Oberrang. Er hilft sich zurecht zu finden. Auf einem Balkon erwarten einen einzelne Sessel und eine lange Tischplatte. Auch hier wird auf Abstand wert gelegt. Ein kleiner Monitor soll die Analyse strittiger Situationen erleichtern. 

Die Plätze – es sind deren 20 – füllen sich nach und nach mit bekannten und unbekannten Gesichtern. Die Mannschaften kommen zum Aufwärmen auf’s Feld. Es bleibt bei der Grabesstille. Ein paar kurze Gespräche, mit gut bekannten Kollegen sind bislang das einzige Highlight. Irgendwann fängt die Stadionanlage bekannte Musik von sich zu geben. Der Anpfiff scheint in greifbarer Nähe zu liegen.

Schnelle Führung

Endlich der Anpfiff. Und nur wenig später sehen die „chosen few“ einen der seltenen Patzer von LASK-Keeper Schlager, den Szoboszlai eiskalt zum 1:0 ausnutzt. Corona-Jubel am Feld. Kein Ton vor oder neben mir. Angesichts der Totenstille verkneift man sich einen Freudenschrei oder gar Jubel. Nur Minuten später durfte man sich wieder die Unterlippe perforieren. Scharfe Hereingabe, Daka denkt mit und ist schneller als sein Gegenspieler. Schlager war wieder geschlagen. 2:0! Ein von mir ausgesprochenes „Jawoiiii!“ war fast zu laut und wirkte nahezu störend.

Der Ball wurde bis zur 56. Minute hin und hergeschoben und es wurde gekämpft. Ohne Motivationsschub von den Bühnen. Der Anschlusstreffer von Raguz fand nur auf der gegnerischen Trainerbank Anklang.

Die Stadionuhr entblößte das baldige Ende dieses fantechnischen Trauerspiels. Doch da – noch eine Ecke. Vallci, der zuvor schon leicht ermüdet am Feld herumtrabte, nutzte die Gelegenheit und netzte zur Entscheidung ein. Freudlos, jubellos. Zumindest auf der Tribüne. Dann der Abpfiff. Salzburg besiegt auch den LASK. Der Moment, wo man dann eigentlich in den Fanpark geht und mit Freunden ein klein wenig den Sieg feiert. Satz mit X.

Stattdessen bewegt man sich langsam über die Metalltreppen nach unten, gibt die Akkreditierung ab und fährt nach Hause.

So nicht mehr

Wir von SALZBURG12 sind Fans. Fans, die mitfiebern, mitschreien, sich mitfreuen, aber auch mitleiden. Der Unterschied zu euch ist, dass wir seit 10 Jahren darüber schreiben. Wir bereiten euch auf Spiele vor, berichten live aus den Stadien, schreiben Zusammenfassungen, publizieren Meinungen oder versuchen zum Nachdenken anzuregen. Corona hat dies zerstört. Nur beim „Spiel zu sein, damit man beim Spiel ist“ mag journalistischen Ansprüchen genüge tun, für den Fan ist das eine Katastrophe. Das kann man nicht mögen. Hier hat niemand Spaß, der nur halbwegs mit der Heim- oder Gästemannschaft verbandelt ist. Emotionen wie im Tiefkühlraum des örtlichen Metzgers. Das kann wirklich niemand mögen. Niemand, der das Fanherz am rechten Fleck trägt.

Auf ein Geisterspiel geht man nur, weil man muss. 

Um unsere Arbeit für euch zu erledigen, müssen wir nicht im Stadion sein. Und deswegen lassen wir das jetzt auch. Jede Fernsehübertragung liefert bessere Einblicke. Zwar keine Stimmung, aber die gibt es zu „Post-Corona-Zeiten“ ohnedies in keinem Stadion. Mal sehen, was die neue Saison bringt. Ob da wieder Leute reindürfen. Das mag vieles ändern, aber so wie es aktuell ist, ist ein Stadion kein geeigneter Platz für echte Fans – egal ob sie über ein Spiel schreiben oder nicht.

Spielinfo

FC Red Bull Salzburg

 

LASK

FC-Red-Bull-Salzburg-Meisterstern 3:1 LASK-Logo
Tipico Bundesliga 26. Spieltag
Anpfiff Sonntag, 14.6.2020, 19.30 Uhr
Austragungsort Red Bull Arena, 0 Zuschauer
Schiedsrichter Altmann
  Torfolge  
Szoboszlai (8.)
Daka (11.)

Vallci (80.)
1:0
2:0
2:1
3:1


Raguz (56.)
Gelbe Karten Holland, Trauner
Gelb-Rote Karten
Rote Karten

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1 Kommentar

  1. […] Als wir dann beim Hinspiel gegen den LASK – durch Glück – wieder auf einen Presseplatz „rutschen durften“, waren wir zunächst durchaus glücklich. Auch glücklich über den Sieg. Aber eben nur über diesen. Denn Geisterspiele will man nicht erleben oder kommentieren müssen. Außer man muss. Berufsbedingt. Das war tatsächlich eine „gruselige“ Erfahrung. […]


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