Doppelschlag binnen zwei Minuten: Salzburg reißt den Cup an sich
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Gastbeitrag von Karl Kriechbaumer

Das Wörthersee-Stadion, welches aus Sicherheitsgründen den Vorzug vor dem ursprünglich als Austragungsort festgelegten Viola Park erhalten hat, präsentiert sich als perfekte Kulisse für das diesjährigen ÖFB-Cupfinale. Auch wenn überwiegend die Gäste aus Hütteldorf den Weg nach Klagenfurt gefunden haben dürften. Kein Wunder, könnten die Hütteldorfer ihre total verkorkste Saison mit einem Pokalsieg und dem damit verbundenen Fixplatz in der Europa League deutlich aufhübschen. Ganz anders die Ausgangssituation bei den Salzburgern. Während ihnen auch dieses Jahr der Meistertitel nicht mehr zu nehmen sein dürfte, stellt der ÖFB-Cup einen weißen Fleck auf der Vita von Marco Rose dar. Deshalb möchte der Erfolgstrainer diesen Cuptitel noch unbedingt einsacken, um sich angemessen mit dem Double ins Ausland verabschieden zu können.

Torhüter Alexander Walke führt seine Mannen aufs Feld, er hat das Kapitänsamt vom verletzten Andreas Ulmer übernommen. An dessen Stelle darf Patrick Farkas links in der Viererkette ran. In der Innenverteidigung ist neben Abwehrchef Ramalho Onguene anstelle des zuletzt starken Vallci aufgeboten. Ansonsten vertraut man bei den Bullen auf bewährte Kräfte.

Die heutige Startelf / © SALZBURG12.at
Die heutige Startelf / © SALZBURG12.at

Nervöser Start – Rapid konzentrierter

Die Salzburger haben sich anscheinend von den grün-dominierten Rängen beeindrucken lassen und fabrizieren zu Beginn gleich einige Fehlpässe. Rapid agiert in der Frühphase konzentrierter und klopft auch gleich einmal am Salzburger Gehäuse an. Danach entwickelt sich ein klassischer Cupfight mit eine Menge Geplänkel im Mittelfeld. Die Bullen kommen zusehends besser in die Partie und finden nach einer halben Stunde durch Schlager die erste Großchance vor, doch Strebinger kann sich auszeichnen. Auf der Gegenseite zeigen sich die Grün-Weißen wie üblich über Standardsituationen gefährlich. So wären sie beinahe nach einer Serie an Eckbällen in Führung gegangen.

Was für eine Geschichte: Der für Ulmer in die Mannschaft gerückte Farkas bringt Salzburg in Führung / © GEPA
Was für eine Geschichte: Der für Ulmer in die Mannschaft gerückte Farkas bringt Salzburg in Führung / © GEPA

Doppelschlag: Bullen überrumpeln Rapid

Gegen Ende der ersten Halbzeit überschlagen sich dann die Ereignisse. Quasi aus dem Nichts darf der mitgereiste Salzburg-Anhang in Minute 37 zum Torjubel ansetzen. Ausgerechnet der neu in die Startelf gerückte Patrick Farkas sorgt für den wichtigen Führungstreffer. Durch ein sehenswertes Zusammenspiel mit Dabbur dringt er in den gegnerischen Straufraum ein und überwindet aus spitzem Winkel Torhüter Strebinger – per Spitz und „Gurkerl“. Während die Rapidler noch mit dem Rückstand hadern, muss ihr Schlussmann schon wieder hinter sich greifen. Eine schön zum Tor gezirkelte Junuzovic-Flanke aus dem Halbfeld köpft Munas Dabbur wuchtig zur 2:0-Führung ein. Während der Rapid-Anhang die Fußballwelt nicht mehr versteht, kann Gulbrandsen den berühmten Sack sogar zumachen. Der Norweger wird auf die Reise geschickt, Strebinger zögert und kommt zu spät aus seinem Kasten, doch der Lupfer des Bullen-Stürmers verfehlt das Eckige nur knapp. Trotzdem können die Bullen beruhigt den Pausengang antreten, während der Rekordmeister die Geschehnisse der letzten zehn Minuten erst einmal verarbeiten muss.

Dabbur legt nach und sorgt für das 2:0 / © GEPA
Dabbur legt nach und sorgt für das 2:0 / © GEPA

Rapid erhöht Druck – Salzburg kontert

Rapid dürfte den Rückstand so nicht hinnehmen wollen, erhöht zu Beginn des zweiten Durchgangs den Druck und bleibt vor allem über Standards gefährlich. Salzburg nützt die sich bietenden Räume zum Kontern. So hätte Gulbrandsen seinen Sitzer in Halbzeit eins vergessen machen können, doch sein Abschluss kann geklärt werden. Danach werden auch die Mozartstädter über Eckbälle gefährlich. Dabbur wäre beinahe nach Onguene-Kopfball per Fallrückzieher erfolgreich gewesen.

Rapid merkt, dass in diesem Spiel noch etwas möglich ist und hätte auch beinahe den Anschlusstreffer erzielt. Nach einer Flanke kommt Pavelic zum Kopfball, dieser landet jedoch an der Latte. Die Bullen lassen sich immer weiter in die Defensive drücken und können nur bedingt für Befreiung sorgen.

Hitzige Schlussphase: Schüttengruber im Rampenlicht

Danach zappelt die Kugel aus Sicht von Rapid endlich einmal im Netz. Nach einer Freistoßflanke von der Mittellinie köpft Sonnleitner sehenswert ins Kreuzeck. Allerdings verweigert Schiedsrichter Schüttengruber dem Treffer die Anerkennung, da er ein Foul von Knaßmüllner an Ramalho gesehen hat. Die Salzburger lassen sich davon allerdings nicht beindrucken und könnten durch eine Co-Produktion zweier Einwechselspieler den Deckel endgültig draufmachen. Szoboslai schickt Daka auf die Reise, doch sein Abschluss streicht knapp am Tor vorbei.

Nachdem ein Rapidler Daka nach allen Regeln der Kunst abräumt und sich der Youngster am Boden vor Schmerzen wälzt, bleibt Schüttengrubers Pfeife stumm. Nach den darauffolgenden Reklamationen schickt der Unparteiische dann den bereits verwarnten Patrick Farkas mit der Ampelkarte in die Kabine. Trainer Marco Rose schäumt auf der Trainerbank vor Wut und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Mit dieser Meinung ist er wohl nicht alleine. Salzburg also in den Schlussminuten dezimiert. Außer, dass sich Marco Rose noch über die eine oder andere Schiedsrichterentscheidung ärgern muss, und einer Rudelbildung, passiert aber nichts mehr.

Da ist das Ding! / © GEPA
Da ist das Ding! / © GEPA

Cupsieger im Jubiläumsjahr

Der Sieger im 100. Jahr des ÖFB-Cups heißt also Red Bull Salzburg. Auch ohne zu glänzen konnte man die Hütteldorfer in einem hitzigen Spiel in die Schranken weisen. Starke zwei Minuten reichten den abgezockten Bullen um den Sieg an sich zu reißen. Rapid war zwar bemüht, bissig und insbesondere über Standardsituationen gefährlich, doch die Abwehr der Bullen hielt dem zunehmenden Druck stand. Somit darf Marco Rose mit seinen Jungs den ersten Titel dieser Saison feiern. Der zweite Streich in der Liga dürfte bald folgen. Das Double ist für die Rose-Truppe zum Greifen nah.

Spielinfo

FC Red Bull Salzburg

 

SK Rapid Wien

FC Red Bull Salzburg2:0SK Rapid Wien
UNIQA ÖFB CupFinale
AnpfiffMittwoch, 1.5.2019, 16:30 Uhr
AustragungsortWörthersee Stadion, 24.200 Zs.
SchiedsrichterManuel Schüttengruber
 Torfolge 
Farkas 37.
Dabbur 39.
1:0
2:0
 
Gulbrandsen, Walke, DabburGelbe KartenMüldür, Hofmann
FarkasGelb-Rote Karten 
 Rote Karten 
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