Ein Interview mit Sportdirektor Ralf Rangnick in der aktuellen Ausgabe des Magazins profil erregt ein wenig die Gemüter. So ist dort zu lesen:

Einige Spieler, die jetzt noch in Salzburg spielen, werden im nächsten Sommer nicht mehr dort sein, sollten sie sich als klare Verstärkung für Leipzig erweisen.

Unbenommen verstehe ich, dass diese Aussage nicht gerade runter geht wie Butter. Zumindest aus Salzburger Sicht. So sehen viele Salzburg Fans ihre Lieblingskicker wie Kevin Kampl, Martin Hinteregger, Alan und Co. ab kommendem Sommer bei RB Leipzig spielen. Und das „schmeckt“ halt nicht.

Perspektivenlosigkeit

Es gibt ihn Österreich durchaus gute oder sogar sehr gute Spieler. Doch in unserer „Schwammerl-Liga“ sind Talente auf Dauer nicht zu halten. Dazu fehlt den Kickern einfach die sportliche Perspektive. Viermal pro Saison gegen die anderen österreichischen Teams anzutreten, macht die Liga zum Teil langweilig und es fehlt die Herausforderung. Zwar sind die Salzburger immer wieder am europäischen Parkett vertreten, aber das sind auch nur Ausnahmespiele. Der Rest ist Liga und der „ungeliebte“ Cup, der nur für niederklassigere Mannschaften interessant ist. Wirklich in den internationalen Vordergrund spielen kann sich in Österreich kaum jemand. In Österreich beginnt man eine Karriere oder lässt sie manchmal auch dort enden.

Talente kommen nur mit Perspektiven! Und im Falle von Red Bull Salzburg ist das nun einmal der Verein in Deutschland, dem ebenfalls Ralf Rangnick als Sportchef vorsteht: RB Leipzig.

Wir wären blöd, wenn wir den Salzburger Spielern keine Perspektive in Deutschland anbieten würden.

meinte Ralf Rangnick im gleichen Interview. Und das ist (leider) die traurige Wahrheit. 

2. Bundesliga deutlich attraktiver

Die 2. Bundesliga – aktueller „Aufenthaltsort“ von RB Leipzig hatte in der vergangenen Saison einen Zuschauerschnitt von 17.888 Personen. RB Leipzig schaffte in der aktuellen Saison nach 11 Spielen einen Schnitt von 23.962 Zusehern, bei Heimspielen liegt der Schnitt noch höher: 24.638 Fans kamen zu den Spielen der Leipziger. 

In Österreich kamen im Gesamtschnitt 6.165 Zuschauer zu den Spielen der vergangenen Saison. Mehr muss man nicht sagen, oder? Auch wenn der FC Red Bull Salzburg in der aktuellen Saison seinen Schnitt noch um 10% steigern konnte (aktuell 11.150 Zuschauer pro Spiel). Dieser Umstand ist natürlich nicht nur uns, sondern auch Rangnick bewusst:

Deutschland ist im Fußball nun einmal eine ganz andere Dimension. Wir haben hier in der 2.Bundesliga wesentlich mehr Zuschauer als in der ersten österreichischen Liga.

7.372 Personen sahen das gestrige „Top-Spiel“ (aus fernsehtechnischer Sicht) Altach gegen Rapid. 9.052 kamen zum Spiel Austria Wien gegen SK Sturm Graz. Die Kapazitäten der österreichischen Stadien werden nur in seltenen Fällen ausgenutzt:

Name Team Größe
Ernst-Happel-Stadion SK Rapid Wien 50.000 Plätze
Red Bull Arena FC Red Bull Salzburg 30.188 Plätze
UPC-Arena SK Sturm Graz 15.323 Plätze
Generali Arena FK Austria Wien 13.135 Plätze
BSFZ-Arena FC Admira Wacker Mödling 12.000 Plätze
Cashpoint-Arena SC Rheindorf Altach 8.000 Plätze
Keine Sorgen Arena SV Ried 7.334 Plätze
Lavanttal-Arena Wolfsberger AC 7.300 Plätze
Wiener Neustädter Stadion SC Wiener Neustadt 7.036 Plätze
DAS.GOLDBERG Stadion SV Grödig 4.128 Plätze

In Österreich ist der FC Red Bull Salzburg der einzige Verein, der jungen Spielern eine Zukunftsperspektive mit RB Leipzig bieten kann. Ob das den Fans nun „schmeckt“ oder nicht.

Auch wenn ich für meinen Teil KEIN Fan von RB Leipzig bin, ist es mir lieber, ein Kevin Kampl landet dort oben, bevor er wo anders spielt. Andererseits bescheren uns die Leipziger ja auch ab und an Spieler, wie aktuell ein Marcel Sabitzer bzw. ein Massimo Bruno.

Die Aufregung, die wegen des Interviews jetzt vorherrscht, ist unverständlich. Jedem normal denkenden Fan muss es klar sein, dass wirkliche Talente nicht auf Dauer ihr Dasein in unserer Liga fristen. Vielleicht lassen sie ihrer Karriere hier enden…

Addendum:
Wie wir in den diversen Social Media-Kanälen von SALZBURG12.at feststellen mussten, kam unsere Botschaft da wohl nicht ganz rüber. In keinster Weise finden wir es „toll“, dass uns Leistungsträger möglicherweise in Richtung RB Leipzig verlassen werden! Doch wenn es passiert, dann ist das leider verständlich. Die Österreichische Liga ist definitiv unattraktiver, als beispielsweise die deutsche oder die englische und bietet den Spielern auch wesentlich mehr Herausforderung. Dies ist leider ein Faktum.  

 
Titelfoto Böhringer Friedrich (Wikipedia)

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