Das Auswärtsspiel der Salzburger Bullen gegen Wacker Innsbruck am vergangenen Sonntag darf, zumindest emotional gesehen, als „brisant“ angesehen werden. Das laufende Fernsehbild sowie Zeitlupenaufnahmen aus allen Winkeln zeigten einen ungestümen Ibrahim Sekagya, der sein „Gegenüber“ Inaki Bea mit einem Fausthieb in die Knie zwang.

Sekagya wurde während des Spiels provoziert | Foto: GEPA Pictures

Sicherlich eine Unsportlichkeit, eine Tätlichkeit. Vom Schiedsrichter wurde die „Tat“ nicht geahndet, weil er sie nicht gesehen hatte. Am heutigen Tag wurde der Salzburger Verteidiger beim Senat 1 (Straf- und Beglaubigungsausschuss) angezeigt. So weit, so bekannt.

Was nicht bekannt ist, sind die Beweggründe des Verteidigers. Haut einer wie Sekagya einfach so zu, weil ihm gerade danach ist? Sicherlich nicht. Diesem Umstand ging der Autor dieser Zeilen heute nach und fand die Antwort direkt beim Spieler, genauer gesagt in seinem  privaten Facebook-Profil. Letzteres ist nur wenigen Personen bekannt, da Ibrahim Sekagya dieses nicht mit seinem echten Namen betreibt.

Dort fanden die wenigen Facebook-Freunde heute eine durchaus bemerkenswerte Notiz, die ich nun – selbstverständlich nach vorheriger Erlaubnis durch den Salzburg-Kicker – der Öffentlichkeit näher bringen darf. Diese Notiz zeichnet ein anderes Bild als den „prügelnden Innenverteidiger“:

Be it for the discpline of the Game i would for no reason tolerate anything to do with reminding me of my colour (Racism) to make matters worse including any word to do with My dearest late mother (R.I.P) who has just passed on the last two months. Anyone in my shoes could react.This has not happened to me in my last ten years of professional football.

Da gab es also doch „Etwas“. Etwas, das von einem gegnerischen Spieler kam, den Ibrahim nicht nennen möchte. Etwas, das ihn erzürnt hat. Etwas, das mit Rassismus zu tun hat. Etwas, das seine (verstorbene) Mutter betrifft. Etwas, das ihn so geärgert hat, dass ihm die „Sicherungen durchgebrannt“ sind. Etwas, wofür er sich nun vor dem Strafsenat verantworten muss.

Ich habe ihm geschrieben. Und ich habe das bestätigt bekommen, was sich nach dem Spiel viele gedacht haben. Es war nicht grundlos. Seine Antwort an mich spricht Bände. Er weiss, er hat einen Fehler begangen. Ein Fehler, der ihm in 10 Jahren Profifußball nicht passiert ist.

I lost my temper like any other human being anything to with reminding you your colour in an isolating way is a very physiological toture have never experienced in the last ten years of professional career more to this was bringing me back the sad memories of my gone mother in an Insulting and vulgar way.

Der „Ball“ liegt nun beim Strafsenat 1. Sekagya’s Tätlichkeit ist auf Video gebannt, die Provokationen im Vorfeld nicht. Das macht die „Tat“ nicht ungeschehen. Aber es erklärt Einiges. Stellt sich die Frage, ob ein Videobeweis eines provozierten Ausrutschers mehr „wiegt“, als ungehörte Provokationen, rassistische Sprüche oder Beleidigungen der eigenen Familie. Wir werden es erfahren…

Update: Wir haben es nun alle erfahren: Sekagya bekam für seine Insultierung eine Sperre von 3 Spielen (Bundesliga und ÖFB-Cup). Über die Höhe der Strafe kann man diskutieren, über die Strafe selber nicht. Wir sind gespannt, mit welcher Konsequenz die erhobenen Vorwürfe in Sachen Rassismus nun weiter verfolgt werden oder ob die ganze Sache damit ein unrühmliches Ende gefunden hat…

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