Quo vadis Red Bull Salzburg?

Es köchelt nicht, es brodelt beim FC Red Bull Salzburg und seiner Anhängerschaft. Der Abgang von Bernardo war Auslöser, die Interviews das i-Tüpfelchen....
Quo vadis Red Bull Salzburg
Quo vadis Red Bull Salzburg?
5 (100%) 1 Stimme[n]

Die letzten Tage waren für den FC Red Bull Salzburg Fan (mal wieder) keine leichten. Das unglückliche Aus in der Play-Off-Phase der UEFA Champions League war für Spieler und Fans schon sehr schwer zu verdauen, der Bernardo-Transfer zu den Sachsen von RB Leipzig, verbunden mit den Interviews von Oscar Garcia und Christoph Freund, vor und nach dem Unentschieden gegen Rapid waren dann das i-Tüpfelchen.

Klar definierter Weg seit 2010

Im Jahr 2010 gab Dietrich Mateschitz dem Standard ein Interview, dass damals schon den Salzburg-Fans wenig schmeckte. So fragte der Redakteur:

„Mittelfristig, meinten Sie, wollen Sie Red Bull Salzburg unter die Top 15 in Europa positionieren. Wie lange wird man noch dafür brauchen?“ und Mateschitz antwortete:

Solange nicht die gesamte Österreichische Bundesliga auf einem signifikant höheren Niveau spielt, wird dieses Ziel nicht realisierbar sein. Es müssten also mehrere Clubs ähnliche Strategien entwickeln und in den Fußball investieren.

Das „signifikant höhere Niveau“ hat unsere heimische Bundesliga auch sechs Jahre nach dem Interview nicht erreicht. Zweifelsohne. Auf die Frage nach der Strategie in Sachen „Erreichen der Champions League mit einem deutschen oder österreichischen Verein“ meinte der Red Bull Boss:

Sicherlich mit einem deutschen Club, da diese Liga, wie jeder weiß, ihren Mannschaften mehr abverlangt… Wie ja ohnehin bekannt ist, ist unsere Strategie, in fünf bis sieben Jahren mit dem stärksten Team, mit Leipzig, in der Deutschen Bundesliga zu spielen und in Österreich mit einem quasi U-21 Team mit einem möglichst hohen Anteil an Spielern aus unseren Akademien, was aber nicht heißen soll, dass diese Mannschaft nicht im Stande sein soll, auch um den Meistertitel mitzuspielen und auch durchaus an internationalen Spielen in der Europa League teilzunehmen. Dies wäre erst in Frage zu stellen, wenn die österreichische Bundesliga zu den stärksten Ligen in Europa aufschließen könnte.

Die Wogen gingen hoch. Ein „U-21 Team“ sollte es sein, dass in der heimischen Bundesliga seine Dienste verrichtet. Man werde aber um den Titel mitspielen und dadurch auch die Europa League erreichen. Der Fokus des Geldgeber lag und liegt nach wie vor auf der wesentlich „wertigeren“ Liga in Deutschland, was nicht unverständlich ist.

Transfers

Leipzig und Salzburg. Die beiden Vereine nützen die Synergien und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass es zu zahlreichen Spielertransfers kommt und kam, die für die Öffentlichkeit zumeist sehr undurchsichtig kommuniziert wurden. Eine komplette Mannschaft – samt „Ersatztorhüter“ – wurde von Salzburg nach Leipzig transferiert:

Spielertransfers von Red Bull Salzburg zu RB Leipzig | Quelle: transfermarkt.at

Spielertransfers von Red Bull Salzburg zu RB Leipzig | Quelle: transfermarkt.at

Fünf Spieler kamen von den Sachsen in die Mozartstadt:

Spielertransfers von RB Leipzig zu Red Bull Salzburg | Quelle: transfermarkt.at

Spielertransfers von RB Leipzig zu Red Bull Salzburg | Quelle: transfermarkt.at

Also nichts Neues also. Sollte man meinen. Doch der Bernardo-Transfer von Salzburg zu Leipzig ging schnell. Zu schnell für manche und auch sehr undurchsichtig. Christoph Freund – dazu befragt von laola1.at:

Es hat Gespräche mit Bernardo und mit Leipzig gegeben. Der Spieler wollte dann dort hingehen, das ist für uns bitter, weil es auch sehr kurzfristig war. Bernardo hat sich bei uns in den vergangenen Monaten super entwickelt und ist zu einem wichtigen Spieler geworden.

Doch der Redakteur ließ nicht locker:

LAOLA1: RB Leipzig suchte bei Salzburg offenkundig einen Innenverteidiger, holte sich von Martin Hinteregger einen Korb. Hat man sich dann gemeinsam auf Bernardo geeinigt?

Freund: (Pause) Es ist so entschieden worden.

LAOLA1: Wer entscheidet das letztlich?

Freund: Im Endeffekt muss natürlich auch der Spieler wollen.

LAOLA1: Kommt Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick und fragt bei Salzburg nach, ob Bernardo zu Leipzig will?

Freund: Das ist auch wie bei anderen Transfers. Da spricht ja auch der Verein mit dem Spieler. Das ist nicht viel anders. Aber heute ist es natürlich schnell gegangen, nachdem es in den letzten beiden Tagen Gespräche gab.

LAOLA1: Salzburg ist für viele eine Art Selbstbedienungs-Laden von Ralf Rangnick geworden. Was entgegnen Sie dem?

Freund: Wir sind ein Ausbildungsverein und entwickeln Spieler. Und Transfers passieren, wenn sich Spieler schnell und gut entwickeln.

LAOLA1: Salzburg kommuniziert keine Ablösesummen. Auch wenn es sich um Leipzig handelt, muss über das FIFA-Transfersystem eine Summe fließen. War diese zumindest zufriedenstellend?

Freund: Die bewegt sich in einem Bereich, der für Österreich nicht üblich ist.

Am selben Tag gab allerdings auch Leipzigs Ralf Rangnick ein Interview, wo er – angesprochen auf die Transfersumme – meinte:

Das wird sicherlich noch zu besprechen sein, aber sicherlich nicht in den Dimensionen, in denen wir uns bei anderen Spielern in der Bundesliga befinden.

Ahja. Gut, RB Leipzig hat also Bedarf in der Innenverteidigung, da kam Bernardo gerade recht. Was dann aber unverständlich ist, ist dass die Sachsen (noch nicht offiziell zum aktuellen Zeitpunkt) den Innenverteidiger Papadopoulos von Bayer 04 holen (werden/möchten):

Update 12.20 Uhr:

Wozu dann den jungen Bernardo, der für Österreich wertvoll, für die deutsche Liga aber wohl noch zu unerfahren ist?

Status quo bei Red Bull Salzburg

Auch im neunten Anlauf erreichte Red Bull Salzburg die Champions League nicht. So weit, so bekannt. Das klubinterne Ziel war ohnedies „nur“ das Erreichen eines europäischen Wettbewerbs. Es wurde also wieder mal die Europa League. Wie man dort abschneiden wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ein Faktor ist eine stabile Innenverteidigung, die aber – Stand letzter Transfertag in Österreich – auch noch „zerbröseln“ könnte. Wie mehrere Medien berichten, ist sich Martin Hinteregger mit dem FC Augsburg einig.

Was passiert dann? Geht dann auch noch Soriano? Oder etwa sogar Oscar Garcia?

Eines ist sicher: Die Anhängerschaft des FC Red Bull Salzburg ist mehr als „angespannt“. Bei den organisierten Fans brodelt es gewaltig, viele „normale“ Zuseher resignieren. Wegen der Abgänge? Wegen der (unglücklichen?) Kommunikation? Auf jeden Fall aber, weil scheinbar nicht mal mehr der Meistertitel eine Priorität hat, wie Christoph Freund im laola-Interview bestätigt:

Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass man immer Meister wird und alle Titel gewinnt.

Dunkle Gewitterwolken über den Red Bull Arena in Salzburg, der Imageschaden erreicht ungeahnte Ausmaße. Und man ist meilenweit entfernt von Mateschitz‘ getätigter Aussage im Interview mit dem Standard:

…Salzburg zur Sporthauptstadt Österreichs zu machen, wobei neben Eishockey natürlich auch Fußball dazugehört…

Kategorien
Die 3. HalbzeitFC Red Bull Salzburg
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
Ein Kommentar
  • Ulrich Müller
    1 September 2016 at 1:53
    Leave a Reply

    Ein „Top Artikel“

  • Deine Meinung zu diesem Beitrag?

    BUNDESLIGA

    Latest football scores live. Includes soccer fixtures, table & results.

    SUCHE
    WERBUNG
    Werbung: wettbasis.com

    hochzeitseinladungen.de

    MyCardShop - Karten, die Geschichte schreiben

    Hochzeitseinladungen und Anlasskarten vom Designer

    WIR SIND PARTNER
    Krebshilfe-Salzburg


    sporticos.com
    Erfahrungen & Bewertungen zu SALZBURG12.at