From Salzburg with love – an die deutschen Kollegen

Roger Schmidt, ein guter Trainer und Mensch. Ein Gastbeitrag von Maxi Paluch. ...
Roger Schmidt
From Salzburg with love – an die deutschen Kollegen
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„Was wurde eigentlich aus… Roger Schmidt?“ – Mit dieser Frage könnte man die folgenden Zeilen einleiten. Könnte. Denn Roger Schmidt ist alles andere als von der Bildfläche verschwunden, sorgt er doch für Schlagzeilen momentan – wenn auch nicht unbedingt für positive leider. Vielmehr stellt sich also vielleicht die Frage: „Wie geht es eigentlich Roger Schmidt“? Vorab sei bereits verraten, es ging ihm schon mal besser. Doch der Reihe nach.               

Fast zwei Jahre ist es her, als der sympathische Deutsche offiziell seinen Abgang aus Salzburg verkündete. Unter seiner Führung wurden Rekordmarken in beiden Bundesligaspielzeiten aufgestellt. Er prägte die erfolgreichste Ära der letzten Jahre, selbst die New York Times berichteten vom „Roger’schen“ Spielsystem. Was nach seiner Zeit folgte, ist bekannt. Sowohl Adi Hütter als auch Peter Zeidler schafften es nur bedingt bzw. gar nicht, in die großen Fußstapfen zu treten. „Ich glaube, nach Roger Schmidt hatten die Trainer manchmal das Gefühl, so eine Vaterfigur sein zu müssen.“, versuchte Christian Schwegler erst kürzlich diesen Umstand gegenüber laola1.at zu erklären. Mit Leverkusen erreichte Schmidt in seiner ersten Saison den guten vierten Rang in der Bundesliga, kam in der Champions League bis ins Achtelfinale und im DFB-Pokal ins Viertelfinale, wobei sein Team in beiden Pokalwettbewerben denkbar unglücklich im Elfmeterschießen ausschied – gegen Atlético Madrid und den FC Bayern.

From Hero to Zero

Ein Jahr später wird der gebürtige Sauerländer von der Presse angezählt. Nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit bei Leverkusen. Allerdings nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern auch aus emotionalen. Leute mit größerem Einfluss auf die breite Öffentlichkeit mögen ihn offenbar nicht. Die Kritik an seiner Person ist daher insofern erstaunlich, als die sachliche Ebene gerne verlassen wird. Nach der Eskapade beim ärgerlichen 0:1 der Werkself gegen Dortmund ist die Diskussion um seinen Posten neu entfacht. Diverse Medien, so scheint es, haben in Roger Schmidt ihr Feindbild gefunden und streuen dem Abnehmerkreis Sand in die Augen. Andere wiederum – wie wir Salzburger – lieben ihn. Er polarisiert. Dabei ist es das Letzte, was Roger Schmidt möchte. Er selbst wünscht sich einfach nur, wie er einst selbst sagte, bei den Leuten als „guter Trainer und guter Mensch“ in Erinnerung zu bleiben.

PROger! Die Fans stehen hinter Schmidt / © GEPA

PROger! Die Fans in Salzburg standen hinter Schmidt / © GEPA

  

Dies schaffte er in Salzburg. Als er sich bei seiner letzten Pressekonferenz aus Österreich verabschiedete, wurde ihm dieses „größte Kompliment, was man ihm machen konnte“, von Seiten der Sportjournalisten zuteil: „Das hast du zu 100 Prozent hinbekommen!“, lautete der Tenor, während Kevin Kampl dies am Pult neben Roger Schmidt mit einem zehn-sekündigen Kopfnicken bestätigte. Schmidt zeigte sich sichtlich geehrt und auch etwas verlegen. Vor allem das Menschliche ragte beim studierten Maschinenbauingenieur immer heraus. Ausgerechnet diese soziale Stärke will man in Deutschland bisher nicht wirklich erkannt haben. Dass Schmidt dort von Seiten der großen Medien mit ähnlich warmen Worten konfrontiert wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt wohl ungefähr so wahrscheinlich wie die Meisterschaft Leverkusens in dieser Saison. Irgendwas muss er falsch gemacht haben. Dabei wusste er auch schon in Österreich anzuecken. Hier waren die Reporter aber nach kleineren Auseinandersetzungen zwischen Schmidt und seinen Trainerkollegen vielleicht nicht so auf Konfrontation mit ihm aus und haben Explosionen nicht zu provozieren versucht, was Roger Schmidt zu schätzen wusste.

Großen Wert legt er darauf, allen mit Respekt zu begegnen, fordert selbiges aber auch von der Gegenseite ein, genauso wie von den Medien, korrekt wiedergegeben zu werden – oder dass die positiven Aspekte genauso gewichtet werden, wie die negativen. Dies scheint aktuell innerhalb der deutschen Medienlandschaft nicht unbedingt der Fall zu sein. Erst wurde Schmidt im Laufe der Saison ein Schönreden unterstellt, nun wird ihm mancherorts sogar überhaupt das Konzept abgesprochen. Gute Leistungen wurden in der Vergangenheit gerne unter den Teppich gekehrt. „Wie lange ist Roger Schmidt noch tragbar?“, las man im Herbst, als Leverkusen in der Bundesliga – trotz unstrittiger Schwierigkeiten zwischendurch – den Anschluss auf die Champions League Plätze wahrte und in der Königsklasse den FC Barcelona in beiden Spielen über weite Strecken in größte Schwierigkeiten brachte, letztlich jedoch nur wenig Zählbares heraussprang. Anstatt die Leistung zu honorieren, konzentrierte man sich auf Schmidts gereizte Reaktion im Interview nach dem 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen die Katalanen. „Haben Sie sonst noch was zu sagen? Wir können das Interview auch abbrechen.“, legte sich der Bayer-Trainer mit Sky-Reporter Jan Henkel an. Was war passiert? Schmidt versuchte die ungenügende Ausbeute in der Chancenverwertung mit dem jungen Alter seiner Mannschaft zu erklären, da bemerkte Henkel, der sonst zu den Besten seiner Zunft gehört, dass Barcelona auch jung gewesen sei. Ein Kommentar, der fehl am Platz war, hatte die Chancenverwertung Leverkusens doch nichts mit dem Alter der Gegenmannschaft zu tun. Dennoch wurde das Verhalten Schmidts verurteilt, schließlich stellte sein Interviewabbruch ein gefundenes Fressen für alle Medien dar.           

Kritik

Keine drei Monate später steht Schmidt erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Die Folgen seiner Verweigerung des Tribünengangs im Spiel gegen den BVB werden immer noch scharf diskutiert. Abermals bot er damit seinen Kritikern eine Angriffsfläche. Unnötig, das weiß er selbst. Trotzdem wäre auch hier wieder ein Stück weit Verständnis für ihn angebracht. Besonders, weil es in der ersten Halbzeit schon ein Missverständnis zwischen Schmidt, Schiedsrichter Zwayer und dem vierten Offiziellen gab, war es keinesfalls abwegig, dass der Unparteiische wieder etwas falsch verstanden haben könnte. „Es gab in der ersten Halbzeit eine Situation, wo Herr Zwayer zu mir gekommen ist und mich aufgefordert hat, den vierten Offiziellen nicht zu berühren, was ich das ganze Spiel über nicht gemacht habe. Das hat mir der vierte Offizielle auch bestätigt und gesagt, das war ein Missverständnis, das er in der Halbzeitpause gleich klären wird.“, schildert der 48-Jährige die Situation vor der Pause im exklusiven Sky-Interview und legitimiert damit die Forderung nach einer kurzen Erklärung. „Aber der Schiedsrichter wollte nicht mit mir kommunizieren und das hätte ich natürlich früher akzeptieren müssen. […] Das habe ich zu lange eingefordert, da war ich zu stur.“, räumt Schmidt im Nachhinein ein und entschuldigt sich für sein Fehlverhalten, das in erster Linie dem großen Druck geschuldet war.

Maß voll?

Schmidt weiß natürlich um die Schnelllebigkeit des Trainergeschäfts und kann es nachvollziehen, dass nach vier sieglosen Liga-Partien in Serie seiner extrem ersatzgeschwächten und auch deshalb völlig verunsicherten Mannschaft (zwischendurch wurde Sporting Lissabon in der Europa League souverän eliminiert), seine Arbeit hinterfragt wird. Dieser Umstand zeigt aber auch deutlich auf, auf welchen Schultern mehr Gewicht lastet: auf den des Trainers, nicht auf den des Schiedsrichters – selbst bei Bayer 04. Wobei das Ausmaß der Kritik für das eigentlich für ein ruhiges Umfeld bekannte Leverkusen untypisch ist. Schuld daran sind vermutlich vor allem die persönlichen Differenzen, die gewisse Medienangestellte mit Roger Schmidt zu haben scheinen – emotionale Gründe eben, nicht nur sportliche. Denn so gerne Bayer 04 Leverkusen zweifellos besser dastehen würde, so ist ein versöhnlicher Saisonausklang nach wie vor möglich. Aber in Zeiten, in denen in Gladbach Weinzierl und auf Schalke Favre gehandelt werden, während die Amtsinhaber Schubert und Breitenreiter ihre Arbeit doch erfolgreich verrichten, ist es wohl Usus, dass Trainer sich vieles – vielleicht zu viel – gefallen lassen müssen. Also, lieber Roger, solltest du irgendwann genug haben: du weißt, wo man dich immer mit offenen Armen empfangen wird! 😉

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Maxi Paluch

Ist trotz seines noch jungen Alters schon lange ein Salzburg-Fan. Schon vor der Ära Red Bull zog es ihn immer wieder ins Stadion. Anfang 2010 entdeckte Maxi seine Leidenschaft für die Juniors und informierte die salzburg12.at-Leser stets über die Neuigkeiten rund um den Nachwuchs. Im Sommer 2012 wechselte er in das RB-Community Team, dem er bis 2015 angehörte. Nun ist er Gastautor.
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