Das Mateschitz Interview und was es für uns bedeutet

Das Interview in der Kleinen Zeitung und wie es wir verstehen...
Dietrich "Didi" Mateschitz APA-FOTO: GUENTER R. ARTINGER
Dietrich "Didi" Mateschitz APA-FOTO: GUENTER R. ARTINGER
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Wenn Red Bull Boss Dietrich „Didi“ Mateschitz eines seiner seltenen Interviews gibt, dann gibt es für die Medienlandschaft immer viel hineinzuinterpretieren. Insbesondere, wenn der RB-Boss über Fußball spricht.

Im Interview mit der Kleinen Zeitung spricht Mateschitz über den FC Red Bull Salzburg, RB Leipzig und andere Dinge rund um unseren Lieblingssport. Wir haben uns allerdings nur die für uns Salzburger relevanten Fragen herausgepickt und kommentieren diese.

Das Interview und unsere Interpretation

Kleine Zeitung: Ihr Sportdirektor (Anm., Ralf Rangnick) wird Salzburg verlassen. Haben Sie schon einen Nachfolger im Kopf?

Dietrich Mateschitz: Es ist ja nicht so, dass Herr Rangnick in Zukunft, wenn er sich nur noch auf Leipzig konzentrieren wird, Sprechverbot hat und mit Salzburg keinen Kontakt mehr haben wird. Aber Leipzig ist inzwischen einfach zu wichtig geworden. Nein, explizit nachbesetzen werden wir Ralf Rangnick in Salzburg nicht, wir haben genug exzellente Leute hier.

SALZBURG12.at: Hier deutet Dietrich Mateschitz eine interne Lösung der Sportdirektor-Nachfolge an. Im Fokus steht hier wohl Red Bull Salzburg Geschäftsführer Jochen Sauer, der acht Jahre erfolgreich als Leiter der Lizenzspielerabteilung und Assistent der Geschäftsführung bei Hertha BSC und seit 2010 als sportlicher Leiter beim VfL Wolfsburg tätig war. Wäre aus unserer Sicht der wohl beste Kandidat. Jochen Sauer ist nicht nur fachlich kompetent, sondern auch ein echter Sympathieträger, bei dem man immer ein offenes Ohr findet.


Kleine Zeitung: Was bedeutet das nun für Salzburg (Anm.: Aufstiegspläne mit RB Leipzig)? Dass Salzburg endgültig nur noch die geplante „Filiale“ wird?

Dietrich Mateschitz: Die Stärke der Liga gibt uns ja den Schwerpunkt vor. Das ist aber nichts wirklich Neues. Das ist, wie Sie wissen, seit Jahren unser Konzept. Deshalb haben wir in Salzburg auch eine Akademie errichtet, die ihresgleichen in Europa sucht. Wo wir Fußballer für Leipzig, aber natürlich auch für Salzburg groß werden lassen wollen.

SALZBURG12.at: Auch wenn es weh tut, hier hat Mateschitz leider Recht. Die österreichische Liga ist im Vergleich zu nahezu jeder anderen Liga in Mitteleuropa als deutlich schwächer zu betiteln. Die Akademie wird Spieler hervorbringen, die via Salzburg den Weg in höherwertige Ligen finden werden. Deswegen ist es nur logisch, dass auch Akademiespieler in Leipzig landen werden.


Kleine Zeitung: Wo planen Sie Salzburg in der heimischen Bundesliga in Hinkunft einzuordnen?

Dietrich Mateschitz: Wir werden dennoch dafür Sorge tragen, dass Salzburg weiterhin in der Bundesliga um den Titel mitspielen und auch international ein passables Bild abgeben kann. Alles andere wäre gegen die Ansprüche, die wir als Red Bull einfach haben.

SALZBURG12.at: Der Titel oder auch der Cup sind für einen so professionellen Verein wie es der FC Red Bull Salzburg ist, immer ein Thema. Ebenso, wie ein Platz in einem europäischen Wettbewerb. An den Wörter „passables Bild“ mag man sich stoßen, allerdings – siehe auch die nächste Antwort des RB-Chefs – ist es, bedingt durch die nur durchschnittliche Liga, nahezu unmöglich, große Talente in Österreich zu halten, was generell für jeden Verein schwer macht, in die Championsleague einzuziehen.


Kleine Zeitung: Und das wird funktionieren? Wenn Sie Ihre besten Leute nur noch in Leipzig bündeln?

Dietrich Mateschitz: Hier geht es nicht nur um Leipzig. Spieler wie ein Mané, ein Kampl, die sind für Österreich einfach zu gut. Die hätten wir in Salzburg so oder so nicht halten können. Es sei denn, zumindest vier, fünf österreichische Klubs würden mit uns mitziehen und die Bundesliga über Nacht erstarken. Weil das nicht passieren wird, gibt es an unserem Konzept nichts zu rütteln. Wir sind überzeugt, dass wir bis jetzt alles richtig gemacht haben.

SALZBURG12.at: Der Weg, junge Talente nach Österreich zu bringen oder sie aus den Akademien in die Kampfmannschaft zu führen (Stichwort: Karriereschritt) ist sicherlich der richtige Weg. Mateschitz kritisiert hier aber zu Recht die „Verteufelung“ der Kommerzialisierung im österreichischen Fußball. Fußballvereine müssen so professionell wie Firmen geführt werden, um die Liga ansich zu stärken. Nur so kann das Niveau im österreichischen Fußball gesteigert werden. Zum aktuellen Zeitpunkt muss wohl jeder Verein als „Ausbildungsverein“ betitelt werden, da Österreich leider wirklich nur eine Ausbildungsliga hat bzw. hier auch Karrieren enden.

Mehr zum Thema:

[TS_VCSC_Icon_Font icon=“ts-awesome-link“ size=“24″ animation=“ts-infinite-css-flash“ color=“#dd3333″]In Österreich beginnen Karrieren. Oder sie enden.


Kleine Zeitung: Wie sind Sie mit Herrn Hütter als Trainer in Salzburg zufrieden?

Dietrich Mateschitz (überlegt länger): Da müssen Sie schon Ralf Rangnick fragen. Fachlich kann ich das nicht wirklich beurteilen. Aber sagen wir so: Adi Hütter ist ein Trainer mit allen Stärken, aber auch mit Schwächen.

SALZBURG12.at: Hier wird von einigen Medien Kritik am Trainer hineininterpretiert. Dass ein Mensch Stärken und Schwächen hat, ist ja nun keine neue Erkenntnis. Ebenso wenig, wie das alle Menschen unterschiedlich sind. So ist ein Vergleich von Adi Hütter mit dem äußerst beliebten Roger Schmidt nicht zulässig, wenn dann nur auf sportlicher Ebene und da kann man Adi Hüter so viel oder so wenig vorwerfen, wie seinem Vorgänger.


Kleine Zeitung: In Deutschland, auch bei Salzburgs Champions-League-Match in Malmö, gab und gibt es massive Proteste der Anhänger gegen den von einem Konzern vereinnahmten Fußball. Wie gehen Sie mit solchen Vorwürfen um?

Dietrich Mateschitz: Massiv? Glauben Sie mir, diese sogenannten Fans bewegen sich im „parts per million“-Bereich. Und die Medien bieten ihnen die entsprechenden Steigbügel. Von so etwas lassen wir uns keinen Millimeter von unserem Weg abbringen.

SALZBURG12.at: „Parts per million-Bereich“ ist eine sehr provokante Aussage des Red Bull Eigentümers, wenngleich er unter dem Strich die Wahrheit spricht. Wirkliche Gegner des Fußballengagements von Red Bull sind nur die „eingefleischten“ Traditionsfanatiker der Fankurven. Als Beispiel möchten wir hier – da wir es selber so erlebt haben – Ajax Amsterdam nennen, wo sich zwar die Ultras der Ajax-Kurve auch kritisch geäußert haben, vom „normalen“ Fußballfan allerdings wurde man freundlich angesprochen, man trank und redete völlig normal. Ähnliches berichteten auch Red Bull Salzburg Fans von Glasgow, wo diese sogar vom ältesten Celtic Glasgow-Fanclub in ihr Gründungslokal eingeladen wurden, um das „eine oder andere“ Bierchen zu genießen. Und weil „Malmö“ angesprochen wurde: wir waren hier selber vor Ort und haben schon „massivere Proteste“ erlebt, als die, der Schweden.

Die kleine Ohrfeige in Richtung der Medien besteht zu Recht, was allein die Wortfindung der diversen Medien über dieses Mateschitz-Interview beweist. So finden sich sehr provozierende Schlussfolgerungen, die die Fans aber auch Gegner auf den Plan rufen, in nahezu jeder „Nachbesprechung“ des Interviews. In Zeiten von sozialen Medien wie Facebook und Google+ geht es halt für die Medienunternehmen und deren Werbekunden fast nur mehr um „klicks“ und „likes“.

So hat Dietrich Mateschitz wahrscheinlich Recht. Es SIND „parts per million“. Allerdings sind diese gerade in den sozialen Medien besonders „laut“.

Unser Fazit

Es wird sich für den FC Red Bull Salzburg nichts, aber auch schon gar nichts ändern. Es werden tolle Talente über den Salzburger Rasen sprinten, so lange, bis ein Verein einen wertigeren Liga ein Auge auf sie wirft. Dabei ist es völlig egal, ob es Leipzig, Borussia Dortmund oder ein Verein aus England bzw. Italien ist. Top-Talente kann man in Österreich nicht halten, solange unsere Liga so ist, wie sie nun mal ist.

Und so ist es eben auch „typisch Österreich“, dass wir lieber über mangelnde Infrastruktur diskutieren, österreichweite Zuschauerzahlen schönreden und mit dem Ligasystem hadern… und über Red Bull im Fußballsport schimpfen, die in Wahrheit mehr für diesen Sport gemacht haben, als viele andere (Tradidions)Vereine.

Titelbild: Günter R. Artinger (APA)

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Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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