Österreich und seine „Schwammerl Liga“

Wer will denn schon in Österreich trainieren oder spielen, wenn ein Top-Club anklopft?...
Untersberg Arena
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Augenscheinlich haben der FC Red Bull Salzburg und FK Austria Wien nicht viel gemeinsam. Doch ein Schicksal teilen sich beide Vereine. Die jeweiligen „Meistermacher“ – bei der Austria Peter Stöger vor einem Jahr, bei den Salzburgern Roger Schmidt in diesem Jahr – verließen ihre Vereine am Höhepunkt ihrer Karriere in der Alpenrepublik.

Salzburg Trainer Schmidt bringt es im Interview (zu lesen auf sportnet.at) auf den Punkt:

Die sportliche Perspektive mit Bayer Leverkusen in Deutschland und international zu spielen, war dann ausschlaggebend.

Die Möglichkeit international mehr zu bewegen, hätten sowohl Roger Schmidt als auch Peter Stöger in Österreich gehabt. Als die Wiener Austria im vergangenen Jahr Meister wurde und alles  bereit für die „Königsklasse“ des europäischen Vereinfussballs war, verließ der Wiener Erfolgscoach den österreichischen Meister 2013 und wechselte zum deutschen Zweitligisten 1. FC Köln, den Stöger nun in die höchste deutsche Spielklasse gecoacht hat.

Roger Schmidt sparte sich diesen „Umweg“ über die 2. Liga gleich und wurde von Bayer 04 Leverkusen in die Rhein-Stadt geholt.

Die „Internationalität“, wie von Schmidt angesprochen, hätten ihm wohl die Salzburger auch bieten können und am Geld ist es sicher nicht gescheitert. Da bleibt dann noch dieses Wort „Deutschland“. Unbenommen wahrscheinlich eine, wenn nicht DIE beste Liga der Welt. Und wenn von dort ein Ruf ertönt, dann kommt man ins Grübeln. Und wenn der Ruf auch noch von einem der Top-Vereine kommt, dann ist die Sache eigentlich schon „gelaufen“.

Volle Hütte statt Dorfromantik

Roger Schmidts neue Wirkungsstätte, die „BayArena“ hat eine ähnliche Kapazität, wie die Red Bull Arena in Salzburg. Doch von einem Zuschauerschnitt von 28.342 in der aktuellen Saison bei den Heimspielen von „Vizekusen“ kann jeder österreichische Verein nur träumen. Die tipp3 Bundesliga bringt es auf einen „heißen“ Schnitt von ein wenig mehr wie 6000 pro Spiel. Hexenkessel oder Dorfromantik?

BayArena in Leverkusen | Foto (c) ingenieur.de

BayArena in Leverkusen | Foto (c) ingenieur.de

Auch wenn der österreichische Meister seinen Zuschauerschnitt um 18,4% auf 9.674 pro Heimspiel (übrigens Platz Nr. 2 in der Liga, rund 1.500 Zuseher mehr als Austria Wien) steigern konnte, kann man von solchen Zahlen nur träumen. 

Unbenommen ist Österreich ja um einiges kleiner als unsere „Lieblingsnachbarn“, dennoch ist es (leider) nur mehr als verständlich, dass Leute, die in Österreich erfolgreich sind und die Chance auf einen Wechsel haben, die verlockenden Angebote annehmen und volle deutsche Stadien liebend gern gegen die österreichischen Provinzplätze tauschen.

Untersberg Arena

Das RheinEnergieStadion, die „Wirkungsstätte“ von Peter Stöger, ist mit knapp 50.000 Plätzen nochmal größer, als das Stadion von Bayer Leverkusen. Dort besuchten – wohlgemerkt in der 2. Liga (!!!) – diese Saison durchschnittlich 46.051 Zuschauer die Spiele der „Geißböcke“.

Trauriges Verständnis

Das vergangene Wochenende war für die Salzburg-Fans ja nicht gerade das Highlight der Saison. Der Abgang von Roger Schmidt saß und sitzt den Anhängern des Meisters schwer im Genick, die Stimmung – trotz Meistertitel – eher getrübt. Trotz allen „Unverständnisses“ der Anhängerschaft, was den Wechsel von Schmidt betrifft, muss man Verständnis für den sympathischen Deutschen aufbringen. Auch wenn es schwer fällt.

Roger Schmidts Worte über die österreichische Liga klingen ein wenig nach Zuckerbrot und Peitsche:

Die österreichische Bundesliga braucht sich nicht verstecken. Es wäre kein Problem gewesen, länger in Salzburg zu bleiben un den Weg hier weiterzugehen. Man hat mit Salzburg den Anspruch, sich international zu etablieren, am liebsten in der Champions League. Natürlich, wenn man nur in Österreich spielen würde, würde es vielleicht nach ein paar Jahren nicht mehr so attraktiv sein.

Die Champions League ist jede Saison wohl das grösste Ziel der Top-Klubs der Alpenrepublik. Doch der Champions League Fixplatz ist bislang ein frommer Wunsch, ein Weiterkommen nach der Gruppenphase ebenso. Angesichts des Umstandes, dass sowohl die Top-Trainer, aber auch die Top-Spieler nicht in der heimischen Liga verbleiben, darf das aber auch keinen wundern.

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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