Der Sieg gegen Bayern: (Mehr als) eine Standortbestimmung

Mit Herzblut, Engagement und Spielwitz zum Sensationsergebnis....
Florian Klein tankt sich durch die Bayern Abwehr
Florian Klein tankt sich durch die Bayern Abwehr | Foto: GEPA Pictures
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Florian Klein tankt sich durch die Bayern Abwehr

Florian Klein tankt sich durch die Bayern Abwehr | Foto: GEPA Pictures

Es sollte das Testspiel des Jahres werden und genau das trat auch ein. Der FC Red Bull Salzburg bewies mit Herzblut und Disziplin, was eine junge Truppe leisten kann.

Es war angerichtet. Ein volles Haus, die Anhänger der Hausherren bis in die Haarspitzen motiviert. Serviert wurde Fußball vom Feinsten! Immerhin war der Gegner der Champions League Sieger der vergangenen Saison. Die Millionentruppe des FC Bayern München war angetreten, es den „Ösis“ zu zeigen, wo der „Bartel den Most“ der Guardiola den Sangria herholt. Doch alles kam anders.

Fehlgeschlagenes Experiment

Dem Beobachter fiel auf, dass Guardiola seltsame Veränderungen vornahm. Eine Dreierkette in der Verteidigung sollte es sein, mehr Druck im Mittelfeld sollte aufgebaut werden. Boateng (links), Dante und Martinez (rechts) sollten reichen. Würde es im Normalfall ja auch. Ein Experiment, das gehörig in die Hose ging. Das merkte auch der Pep und baute nach Rückstand wieder um – das half aber auch nichts (mehr).

Fehlen als Ausrede

„Ja die Bayern haben ja ohne Robben, Ribéry und Lahm gespielt!“ war die „Parade-Ausrede“ der FCB-Anhängerschaft. Ja das mag sein. Dennoch war die Bayern-Truppe, die sich am Samstag eine „G’nackwatschen“ abholte, gespickt von Nationalkickern. Ein Großteil von ihnen stehen in den Kadern der kommenden WM. Dennoch muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass allein ein Neuer und ein Boateng mehr Marktwert besitzen, als der komplette Kader der Mozartstadt.

Nur ein Testspiel

Unbenommen, es war kein internationaler Wettbewerb. Ein Testspiel als Standortbestimmung. Doch war es für die Bayern, die ja in Kürze schon wieder in ihrer heimischen Liga „aktiv“ werden müssen, mehr Standortbestimmung, als für den österreichischen Herbstmeister und Winterkönig. Die Bayern kommen frisch und gestärkt aus der Vorbereitung, die Salzburger reisten erst am Tag nach dem „historischen“ Testspiel in ihr Trainingslager nach Katar. 

„Not amused“

Die Spieler des FC Bayern – emotional sichtlich schwer angeschlagen – verließen mit hängendem Kopf die Red Bull Arena. Wortspenden in Richtung der anwesenden Medien waren sehr spärlich. Nicht ganz so ruhig waren dafür die FCB-Granden Hoeneß („Wir sind gewarnt, die anderen werden gegen uns rennen wie die Hasen.“) und vor allem aber Beckenbauer: „Wir müssen diese Niederlage als Warnschuss begreifen. So dürfen wir am Freitag zum Rückrundenstart gegen Gladbach nicht antreten! Die Salzburger waren uns in allen Belangen überlegen und sehr viel engagierter.“ Leichte Anzeichen von „Feuer am Dach!“. Pep Guardiola sahs „sportlich“: „Das waren gute Lehren für uns. Gratulation an Red Bull, sie haben sehr gut gespielt und verdient gewonnen.“.

Motivationsschub

Roger Schmidt nahm’s (natürlich) gelassener und blieb am Boden: „Wir freuen uns natürlich, dass wir vor so vielen Zuschauern ein gutes Spiel gemacht haben. Wir haben zu guten Zeitpunkten Tore gemacht. Das hat Selbstvertrauen gegeben. Wir haben uns sehr gut vorbereitet, haben diese Partie sehr ernst genommen. Gleichzeitig dürfen wir das Ergebnis aber nicht überbewerten.“. Überbewerten soll man ein Testspiel natürlich nie. Dennoch ist ein 3:0 gegen einen FC Bayern München (auch wenn es die C-Elf gewesen wäre) für einen österreichischen Verein natürlich immer ein Highlight.

Standortbestimmung?

Dennoch war das Testspiel vielleicht ein Tick mehr, als nur eine Standortbestimmung. Für die Bayern vielleicht wirklich NUR eine Standortbestimmung. Sie erkannten, dass man jeden Gegner ernst nehmen muss und dass eine Dreierkette wohl nicht das Heilmittel war. Diesen Input werden sie in die nächste (und die kommenden) Runden der Bundesliga einfließen lassen – ja, auch eine „kleine Mücke“ kann stechen.

Für den FC Red Bull Salzburg war es definitiv mehr als eine Standortbestimmung! Das Spiel war der Auftakt zu einer hoffentlich großartigen zweiten Saisonhälfte. Ein klares „Thumbs up“ für den Weg, der in Salzburg (endlich) eingeschlagen wurde. Ein Zeichen, dass sich Kontinuität lohnt. Und sicher auch eine Belohnung für das Team um Roger Schmidt und der Elf am Feld, dass sich Kampfbereitschaft, Disziplin und Herzblut lohnen. Wie oft wird man einen Pep Guardiola sagen hören:

Ich habe in meiner Karriere noch nie gegen eine Mannschaft gespielt, die mit so einer hohen Intensität gespielt hat wie Red Bull Salzburg.

Amen Pep. Amen!

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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