Das war 2012/13!

Eine ausführliche Analyse der titellosen Saison....
Trotz aller Vorfälle - die Fans stehen zum Verein
Das war 2012/13!
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Die Saison 2012/13 ist beendet. Titel-, aber nicht unbedingt trostlos auch Sicht der Roten Bullen. Salzburg12.at zieht ein ausführliches Fazit.

2011/12 hatte mit dem ersten Double in der Ära Red Bull geendet, und nach zwischenzeitlichen Unmutsäußerungen stand der Anhang endlich einigermaßen fest hinter Ricardo Moniz. Und dann machte dieser von heute auf morgen Schluss – warum weiß bis heute niemand genau. Außer ihm selbst. Vielleicht.
Ralf Rangnick wurde als Sportdirektor installiert, der einstige Paderborn-Trainer Roger Schmidt von diesem zum Cheftrainer gemacht.

Schnell stellte sich heraus dass die Spielphilosophie die Ricardo Moniz seiner Mannschaft eingetrichtert hatte der von Schmidt diametral gegenüber stand. Moniz legte – ganz nach der Lehre von Wiel Coerver – außerordentlichen Wert auf Individualismus (unvergessen seine Aussage, Leonardo laufe zu VIEL) und Ballbeherrschung (ganze Trainingseinheiten waren technischer Feinmotorik gewidmet, zum Leidwesen anderer Komponenten). Schmidt dagegen war von Beginn an um Ganzheitlichkeit in jeder Hinsicht bemüht.
Dass die Mannschaft mit dieser Umstellung Probleme hatte war in den ersten Saisonspielen offensichtlich, weswegen ich diese Übergangsperiode – also auch den negativen Saisonhöhepunkt gegen Dudelange – an dieser Stelle auch als solche abtun will. Obwohl natürlich auch hier Fehler begangen wurden.

Dudelange 1-0 Salzburg

Dudelange 1-0 Salzburg

Danach wurde eine Reihe von Spielern verpflichtet – ob aufgrund der schwachen Ergebnisse oder nicht sei dahingestellt. Jedenfalls angelte man sich mit Sadio Mané, Valon Berisha und Kevin Kampl wurden drei absolute Mittelfeld-Motoren verpflichtet. Außerdem wurde Nielsen geholt, der zwar bei einem turbulenten 4-4 in Mödling einen Hattrick erzielte, danach aber mehr oder weniger von der Bildfläche Richtung Ersatzbank verschwand.
Auffallend war bei all diesen Offensiv-Verpflichtungen das Alter – bzw. das Nicht-Alter – der Spieler: 19, 20, 21 und 22 Jahre sind die genannten vier Spieler gerade mal alt. Es ist davon auszugehen dass dies kein Zufall war, sondern vielmehr der neuen Transferphilosophie unter Ralf Rangnick entspricht.

Die nächsten Spiele waren geprägt vom Versuch, die neuen Spieler zu integrieren und aus dem Moniz’schen 4-2-3-1 endlich das von Schmidt bevorzugte 4-3-3 zu machen. Ilsanker-Leitgeb-Berisha hieß zu diesem Zeitpunkt das Salzburger Mittelfeld – die Saison als Stammspieler beenden konnte nur letzterer.

Kurz vor Ende der Herbstsaison legte man in Ried eine katastrophale Vorstellung hin, verlor, und hatte nunmehr 7 Punkte auf eine souverän punktende Austria Rückstand.
In die Rückrunde startete man gegen Rapid Wien: Bereits nach wenigen Minuten gelang der Führungstreffer, als überlegene Mannschaft (in den letzten Minuten dank eines Rapid-Ausschlusses sogar in numerischer Hinsicht) kassierte man jedoch in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer. Auch das kommende Spiele, gegen die damals letztplatzierte Admira, konnte nicht gewonnen werden. Wöllte man die nicht gewonnene Meisterschaft an zwei Spielen aufhängen, so würde ich definitiv diese Phase nominieren. Der Rückstand betrug dadurch schon 11 Punkte.

Bis dahin war die Saison keineswegs gut verlaufen. Sehr enttäuschend, eigentlich, um ehrlich zu sein. Schmidt wurde zu dieser Zeit auch heftig hinterfragt. Doch ab der 23. Runde präsentierte man sich weitesgehend so, wie es dieses Vereins würdig ist: Sowohl Kampfgeist, Leistung als auch Ergebnis stimmten fast immer. Einzige Ausnahme bildete wiedermal ein Heimspiel gegen Ried – 2-2 endete dieses, genauso wie ein späteres Duell in der 35. Runde. Salzburg gelang damit in vier Versuchen kein einziger Sieg gegen die Spielvereinigung Ried (wöllte man die nicht gewonnene Mannschaft an einem Konkurrenten aufhängen, so würde ich definitiv Ried nominieren) – entsetzlich. Und irgendwie unerklärlich.

Die letzten vier Spiele der Saison bestritt man in einem neuen System – im 4-4-2. Dieser Umschwung hatte allerdings weniger taktische Motive, als vielmehr die Absicht Alan und Soriano in dieselbe Startelf zu zwängen. Die Spielweise der Salzburger veränderte sich dadurch kaum, einzig Alan durfte endlich 90 Minuten lang spielen und im Zuge dessen eine unglaubliche Torquote hinlegen.
Wirklich schade dass er durch die Nachwirkungen seines Kreuzbandrisses zu Beginn der Frühjahrssaison noch nicht voll einsatzfähig war – er hätte unserem Offensivspiel sicher noch mehr Durchschlagskraft verliehen.

Salzburg 3-0 Austria

Salzburg 3-0 Austria

Während man in der Bundesliga seit dem 24. November 2012 nicht mehr verloren hatte, passierte genau das ausgerechnet im ÖFB Cup-Halbfinale: 2-1 gewann der FC Pasching, der bereits zuvor Rapid Wien blamiert hatte und dies in weiterer Folge auch noch mit der Austria machen sollte.
In Sachen Peinlichkeit  ist diese Niederlage sicher in einem Atemzug mit „Düdelingen“ zu nennen – für die Entwicklung der Mannschaft ist sie jedoch insofern recht irrelevant, als in diesem Spiel sehr viel ausrangierte Spieler auf dem Platz waren. Denen fehlte es sichtlich an Können, und vor allem Motivation. Warum Schmidt, der tagtäglich mit diesen Spielern arbeitet, das nicht geahnt hat bleibt sein Geheimnis – jedenfalls musste er sich in den Tagen danach völlig zurecht einiges an Kritik gefallen lassen.

Salzburg 1-2 Pasching

Salzburg 1-2 Pasching

Letzten Endes stand Red Bull Salzburg also ganz ohne Titel da, zum Punkterekord in der Red Bull-Ära (und punktereichstem Vizemeister in der Bundesliga-Geschichte) reichte es mit 77 Punkten allerdings.

Weiterer Pluspunkt ist, dass Schmidt in dieser Saison eine absolut einzigartige Spielweise etabliert hat: wie Salzburg mit einem halben Dutzend Mann das Zentrum des Gegners verwirrt, wie Kampl nach innen ziehend stets den Pass in die Tiefe sucht, wie Sorianos Hauptbeschäftigung das Doppelpass-Spiel ist – beeindruckend!

Wenn man die Leistungsträger – und nicht zuletzt Schmidt/Rangnick – hält steht einer erfolgreichen Saison 2013/14 sehr wenig im Wege. Und auch wenn diese Phrase im österreichischen Sprachgebrauch normalerweise meist mit einer gehörigen Prise Sarkasmus vermischt ist – womöglich ist ja gerade wirklich etwas Großes im Entstehen.

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FC Red Bull Salzburg
Dominik Seitlhuber

19-jähriger Taktikfanatiker aus Niederösterreich. :)
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