Der Tag danach.

Da ist er wieder. Der Tag danach. Der Tag, den eigentlich keiner mag....
Verwaiste Plätze in Österreichs Stadien
Verwaiste Plätze in Österreichs Stadien - die Zukunft?
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Verwaiste Plätze in Österreichs Stadien

Verwaiste Plätze in Österreichs Stadien – die Zukunft?

Der Tag danach. Die Mannschaft hat nicht gut gespielt. Hat Punkte abgegeben, obwohl jeder mit dem Sieg rechnete. Und wieder „war’s nix“. Unmut macht sich allerorts breit. Man fordert Veränderungen, Rücktritte, ortet Fehler bei Spielern, Trainer und/oder Leitung. Der Tag danach. Der Tag an dem alles nur „schei**e“ ist. Der Tag, an dem man nicht über Fußball sprechen möchte. Der Tag, wo man sich fragt, warum man eigentlich noch hinter der Mannschaft stehen soll. Der Tag danach eben.

Der Tag danach. Es hat wieder mal gar nichts gepasst. Man geht in Führung und „vergeigt“ es dann trotzdem oder man gerät in Rückstand und kann mit Ach und Krach gerade noch einen Punkt holen. Gegen einen Gegner, den man hätte eigentlich vom Platz fegen müssen. Tausende Fußballtrainer hätten es besser gewusst, als der eigene Trainer der Mannschaft. „Man hätte doch..“, „Warum hat man nicht…“, „Wieso tun die das…“

Der Tag danach. Der Tag danach ist aber auch der Tag, an dem man gedanklich schon wieder beim nächsten Match ist. Da muss es doch gelingen! Aufstellungen, aus dem innersten Empfinden des Schreibers, geistern durch die jeweiligen sozialen Medien. Der Tag danach ist immer ein sehr kreativer. Aber auch ein bösartiger. Man textet seinen Verein auf deren Pinnwand zu, man streitet, man schreibt Dinge, bei denen jegliches Feingefühl aussetzt.

Der „Tag danach“ ist kein Salzburger Phänomen

Der Tag danach, der betrifft nahezu jeden Fußballverein in Österreich. Rapid hatte diesen „Tag danach“ in der Frühjahrssaison schon mehrmals. So wie Sturm Graz. Oder Ried. Oder Wacker Innsbruck. So wirklich verschont vom „Tag danach“ waren seit Beginn der Saison 2013 eigentlich nur der WAC und die Wiener Austria. Stop. Bei der Austria maulten auch einige, als es bei Wr. Neustadt nur 1 Punkt gab.

Die Wichtigkeit des 12. Manns

Die Wirkung von unterstützenden Fans auf Sportler ist mehrfach dokumentiert – nicht nur im Fußball. Doch wie viele solcher Fans hat der Fußball – österreichweit – denn noch wirklich? Und wie viele „Besucher“? Mutiert das fußballbegeisterte Publikum zu reinen Erfolgsfans – also „Gloryhuntern“? Ganz besonders, wenn er wieder da war: der Tag danach. Rapid hat eigentlich immer viele Zuseher im eigenen Stadion. Austria Wien – trotz Tabellenführung – einiges weniger. Dennoch lässt sich das mit der Einwohnerzahl durchaus erklären, dass die Wiener Vereine eine höhere Auslastung haben, als andere Vereine. Und den Erfolgsfaktor und den Gegner-Malus wollen wir mal auch nicht vergessen. Deswegen spielt ein FC Wacker Innsbruck im Kellerduell gegen Wr. Neustadt vor lediglich 2.600 Zusehern. Oder eine Austria gegen Admira vor 8.800 (bei einem Einzugsgebiet von rund 2,4 Mio). In Salzburg hadert man natürlich ebenso mit den Zuschauerzahlen. Mehr sein könnten es immer. Doch bleibt immer noch die Frage: Wer schaut nur zu und wer unterstützt die Mannschaft mit Tat und Gesang?

Fußball oder doch lieber Kino?

Fußball mutiert seit einiger Zeit zu einer Veranstaltung. Nicht nur in Salzburg! Spielen sie gut und attraktiv, dann kommen die Leute. Spielen sie schlecht und es regnet, geht man vielleicht doch lieber ins Kino. Der „wahre Fan“, der bei Regen, Sturm, Kälte und Schnee in das Stadion pilgert ist in Österreich Mangelware geworden. Auch die Vereine, die eigentlich ein Riesen-Fanpotential haben, bekommen nie die Stadien voll. Maximal bei einem Wiener Derby. Da wird ja auch meistens eine „gute Show“ geboten – zumindest für einen Teil der Anhängerschaft. Früher, ja früher, da ging’s mal um was! Messen der Städte! Duell um die Vorreiterschaft im Westen! Stolz auf die Mannschaft! Verzweiflung bei einer Niederlage! Da gab es das noch, das volle Programm im persönlichen emotionalen Spektrum.

Heute wird ein Fußballspiel vielerorts wie ein Popkonzert behandelt. War der Künstler gut, tanz man mit und applaudiert – war der Gesang und Performance mies, mault man und fordert manchmal sogar das Eintrittsgeld zurück. Dem Fußball fehlt heutzutage oftmals der „Gänsehaut-Faktor“ früherer Zeiten. 

Am 30.4.1977 stand ich als junger Bub hinter dem Tor und fieberte meinem ersten Länderspiel entgegen. Es sollte der höchste Sieg des Nationalteams in der Geschichte werden. Damals wurde mir klar – Fußball ist „meins“! Ich war so stolz dabei gewesen zu sein, so stolz ein Österreicher zu sein. So ähnliche Momente gab es für mich dann allerdings nicht mehr so oft. Einer war der 11. Mai 1994, als ich unter 80.000 Zusehern in Mailand saß und zusah wie mein Verein im Finale des UEFA-Cups stand. Einen ähnlichen Gänsehaut-Moment gab es zuletzt in der EL-Gruppenphase 2011 gegen PSG. Ja, das Svento-Tor in der Nachspielzeit wird mich mein Leben lang begleiten.

Doch jeder Sieg, jede Meisterfeier, aber auch die schmerzhaften und zeitweise dummen Niederlagen – die bleiben in mir. Und ich erinnere mich manchmal gerne und manchmal eben nicht an diese Stunden zurück. An diese Stunden, wo ich mit Gleichgesinnten im Stadion oder beim Fernseher im Stammwirt gesessen bin und geschrien und mitgefiebert habe. Vielleicht sollte man sich wieder öfters an die Gefühle erinnern, die man beim Fußball schon gehabt hat. Und sich dann zusammenreissen, seine Freunde anrufen und mit ihnen gemeinsam ins Stadion gehen und die Mannschaft, den Verein und damit seine Stadt anzufeuern. Auch am Tag danach.

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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