„Das ist schon ein wenig scheinheilig“

Und wieder mal sagte ein Verein auf Druck der Fans ein Testspiel ab....
Nürnberg und München sagen Testspiel ab
Testspielabsage von Nürnberg und München
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1. FC Nürnberg- und 1860-Fans gegen Testspiel mit RB Leipzig

Nürnberg- und 1860-Fans gegen Testspiel

RB Leipzig – in Deutschland bei den „Hardcore-Fans“ ebenso wenig beliebt, wie Red Bull Salzburg bei den Anhängern anderer Vereine in Österreich, musste gleich zwei Testspielabsagen hinnehmen. Trotz gültiger Vereinbarungen fanden Testspiele gegen den 1. FC Nürnberg und 1860 München auf „Druck der Fans“ nicht statt. Die SG LVB sprang ein und kassierte eine 7:0 Niederlage. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Salzburg war auch schon betroffen

Die Fans des FC Red Bull Salzburg waren auch schon von Testspielabsagen betroffen. 2011 sagte der HSV ein Testspiel gegen die Salzburger ab. Dort schob Oliver Scheel, Vorstand Hamburger SV, die nicht unumstrittene „50+1 Regelung“ als Vorwand vor:

“Bei der Absage geht es überhaupt nicht um Kommerz oder Nicht-Kommerz, es geht nur um unsere Bemühungen für die Beibehaltung der 50+1-Regelung.”

Der sportliche Sinn

Testspiele gegen „bessere“ Mannschaften gehören zu wichtigen sportlichen Instrumentarien, denn nur gegen Mannschaften, die „stärker“ sind, ist man gefordert. Es hat wenig Sinn, den „FC Hintertupfingen“ aus der 4. Liga zweistellig niederzuringen – für’s Ego der Spieler vielleicht, mehr aber auch nicht. Doch diese „Challenge“ wird den Vereinen aus Leipzig bzw. Salzburg gerne verwehrt. Trotz gültiger Testspielvereinbarungen geben manche Vereine dem Druck der Fans nach.

Inbegriff des Kommerz?

Fanforscher Martin Thein, bekannt u.a. durch sein Buch Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur zu dieser Thematik: 

Red Bull ist für viele aktive Fans der Inbegriff der Kommerzialisierung. Aber das ist schon ein wenig scheinheilig, immerhin haben alle Vereine heute Sponsoren. 

In der Tat hat Thein damit Recht. Die Kommerzialisierung des Fußballs findet – wie Thein richtig bemerkt – aber bei allen Fußballvereinen statt. „Ohne Moos nix los“. Weder in Österreich, noch in Deutschland oder anderswo. Und jetzt bitte nicht mit der bekannten Sprücheklopferei daher kommen! Es gibt keine „Religion Fußball“, ein Kicker im Profifußball spielt nicht für „ein Seiterl und ein Gulasch“, Fußballvereine müssen Geld verdienen, damit Infrastruktur, Betrieb, Gehälter usw. bezahlt werden können. Denn in Wahrheit ist (oder sollte) jeder gut geführte Fußballverein wie eine Firma agieren. Das machen auch Rapid, Austria Wien und Co. Bestes Beispiel in Deutschland: FC Bayern München.

Wasser predigen – Wein trinken

Gerade die Absage von 1860 München lockt ein wenig Lächeln hervor. Genau dieser Verein, der dem Fandruck nachgab, und das Spiel gegen RB Leipzig absagte, gab aber kurz danach dem Druck seines jordanischen Investors Hasan Ismaik nach, der einen neuen Trainer forderte – unter Androhung seinen finanziellen Aussteigs. Nun hat der „unkommerzielle“ Traditionsverein >/Ironie> ein Trainergespann mit Alt-Coach Alexander Schmidt und Star-Trainer Sven-Göran Eriksson (ehemaliger Trainer der englischen Nationalmannschaft). Ismaik will die Löwen so schnell wie möglich wieder aufsteigen sehen. Na, was jetzt? Testspiele gegen „Kommerzclubs“ absagen, aber dem Investor ins Hinterteil kriechen? Spannende Gratwanderung, meine Herrschaften!

Alles ganz anders

Nein, dass kann man ja alles nicht vergleichen. Red Bull hat Leipzig und Salzburg ja „alles“ genommen – ich kann’s nicht mehr hören. Dem Traditionsverein Cardiff wird’s wohl bald ähnlich ergehen. Auch Rapid hat nicht in Grün/Weiß begonnen. Meine „alte“ Austria Salzburg wechselte mehrmals das Logo – teilweise dramatisch – strich sogar das „Austria“ aus dem Namen und ersetzte es durch den Sponsor – seinerzeit „Casino“ bzw. „Wüstenrot“. So what?

Selbsternannte Sittenwächter

In den deutschen Medien gibt es einige Journalisten wie zum Beispiel Rainer Holzschuh vom Kicker, die sich einerseits als Sittenwächter der 50+1 Regel darstellen, andererseits aber im gleichen Blatt den Geldgeber Dietmar Hopp (TSV 1899 Hoffenheim) lobend äußert. Ein Geldgeber wie Hasan Ismaik oder Didi Mateschitz, der ebenso sein „Ding“ durchzieht. Investoren wollen nun einmal mitreden, wenn es um’s „verbraten“ ihres Geldes geht. Schon komisch oder? Letzteres bitte wieder ironisch auffassen. 

Die Fans von RB Leipzig jedenfalls haben bereits im vergangenen Jahr einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der u.a. auch die Testspiele betrifft. So forderten im September 2012 die Fans, dass für Testspiele gegen RB generell Verträge aufgesetzt werden, die im Falle einer Absage durch aufständige Fans mit Vertragsstrafen geahndet werden. Genutzt hat das scheinbar nicht viel. Nürnberg und 1860 sagten ab. Die Ultras der Münchener meinten dazu:

Gegen einen von Red Bull finanzierten Club spielt ein anständiger Verein nicht.

Aber für einen mit Ismaik-Geldern finanzierten und kontrollierten Verein kann man schon schreien und ihn supporten…?

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
11 Anzahl der Kommentare
  • Corinna Weißmantel
    21 Januar 2013 at 8:06
    Leave a Reply

    Für mich ist es der "Lohn" des Fleißigen und kein Kommerz. Sobald einer gut wirtschaftet und sich ein finanzielles Polster schafft, reizt er damit den Neid derer, die einfach nicht dazu in der Lage sind, rentabel zu wirtschaften.

    • Horst Volland
      21 Januar 2013 at 8:07
      Leave a Reply

      Stimmt, nämlich das Finanzamt!

    • Olaf Langhanns
      22 Januar 2013 at 18:41
      Leave a Reply

      Kommt RB-Spieler nach Hause:
      "Mama- keiner spielt mehr mit mir…"
      Willkommen in der Realität !!!
      Typisch RB-Schreiberling wo die Hintergründe gern mal ausgeblendet werden.

  • Hans Nagl
    19 Januar 2013 at 19:03
    Leave a Reply

    Ich bin neben Red Bull ebenfalls Löwenfan. Aber mit dieser Geschichte….. naja. Einmal Löwe immer Löwe. Einige "Löwenfans" dürften diese Bezeichnung nicht verdienen. Ohne die Scheichmillionen wäre es in München finster. Zumindesten in Blau-weiß, die Roten ( FCBayern) wirtschaften besser…

  • Marco Garling
    16 Januar 2013 at 21:09
    Leave a Reply

    Hier wird einem wirklich aus der Seele gesprochen! Gerade was die 1860 Problematik – oder doch Dramatik? angeht. Bravo!

  • Antje Dude
    16 Januar 2013 at 20:55
    Leave a Reply

    HAHA.. "Gegen einen von Red Bull finanzierten Club spielt ein anständiger Verein nicht.".. Tja wie gut das 1860 von einem Scheich finanziert wird.. HAHA 🙂

  • Alex Januschewsky
    16 Januar 2013 at 15:55
    Leave a Reply

    und ich mochte die Löwen mal wirklich. Hatte seinerzeit auf meiner 80er-Jahre-Fanjacke der Austria Salzburg sogar ihr Wappen drauf – da gabs eine Fanfreundschaft…

    • Antje Dude
      16 Januar 2013 at 20:57
      Leave a Reply

      HAHA.. "Gegen einen von Red Bull finanzierten Club spielt ein anständiger Verein nicht.".. Tja wie gut das der 1860 von einem Scheich finanziert wird.. HAHA 🙂

  • Robert Bayer
    16 Januar 2013 at 12:59
    Leave a Reply

    Bin nicht nur RBS Fan sondern auch Löwen Fan. Bei den Heimspielen der Löwen, die wir diese Saison besucht haben, werden nicht nur die gelben und roten Karten mit Sponsornennung auf der Videowall eingeblendet sondern jede Spielunterbrechung wird dazu genutzt um irgendeine Werbung zu machen. Als wir Löwenfans darauf angesprochen haben, meinten die nur ohne Werbung kein Geld!!!!!! Scheinheiliger gehts nimmer. Ach ja ich vergaß, die Spieler der anderen Vereine spielen ja nur für ein Butterbrot und fahren Rad. Ironie aus.

    • Alex Januschewsky
      16 Januar 2013 at 15:54
      Leave a Reply

      Danke Robert! Wertvoller Beitrag!

  • Jakob Burgthaler
    16 Januar 2013 at 12:24
    Leave a Reply

    Is doch immer das gleiche. Langweilig diese "Antikommerzfans"^^

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