Mit Ecken und Kanten: Ralf Rangnick

Wenn Ralf Rangnick hinter das Mikro tritt, dann sorgt das oft für Gesprächsstoff. Ein Kommentar von Alex Januschewsky zum gestrigen Mediabriefing....
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Ralf Rangnick ist ein Mann mit Ecken und Kanten. Ein Mann, der eine Vision und klare Vorstellungen hat. Beim gestrigen Mediabriefing vor dem Spiel gegen die SV Ried wurden nicht nur die neuen Spieler präsentiert, Rangnick stand den Journalisten Rede und Antwort. Manche Antworten gefielen einigen nicht unbedingt. Während sich manche Medien heute negativ über die Rangnick-Sager äußern, versuche ich die Aussagen für mich – und damit auch euch – zu kommentieren.

Zum Thema „Einkäufe und Double 2012“

Das war nicht von vorneherein geplant, dass wir so viele Spieler holen. In der vergangenen Saison ist Salzburg zwar Meister geworden, aber man muss schon auch schauen, wie sie das geschafft haben. Es war eigentlich eher so, dass sie Meistertitel und Double geholt haben, weil die anderen das nicht wollten und nicht weil Salzburg so gut war. Wir musste jetzt etwas machen. Wir haben uns den Kader angeschaut und die Spiele, die wir bislang gesehen haben, haben uns gezeigt, dass wir etwas tun mussten. Wir haben geschaut, welche Spieler verfügbar sind und gute Spieler gefunden. Spieler, die das Potenzial haben, Red Bull Salzburg auf ein anderes Level zu bringen. Man kann schon sagen, dass die Saison für uns noch einmal neu beginnt.

Double 2012: Da hat der neue Sportdirektor recht, auch wenn die Medien dies als Diskreditierung der Mannschaft sehen. Zumindest was die Liga betrifft. Das Double ist ja ein KO-Bewerb, wenn du nicht gewinnst, dann war’s das. In den 36 Runden Bundesliga des vergangenen Jahres legte – wir erinnern uns – Salzburg eine Mords-Negativ-Serie hin. In 7 Spielen fuhren die Salzburger gerade einmal mickrige 2 Punkte von 21 möglichen ein. Und wurden trotzdem Meister. Ich behaupte, dass in jeder anderen Liga ein Verein, der so eine „Serie“ hinlegt, einfach „weg vom Fenster“ ist. Da ist die Meisterschaft kein Thema mehr! Salzburg gelang dieses „Kunststück“ aber trotzdem. Ein Grund ist sicherlich das mäßige Auftreten der anderen Mannschaften. Man gewann den Titel also bei weitem nicht nur aus eigener Kraft. So ehrlich muss man sein.

Einkäufe: Gerade beim ersten Qualifikationsspiel sah man, dass da unten am Feld bei vielen Spielern unter anderem einfach die „Luft draußen“ war. Düdelingen „passierte“, weil es massive Abwehrprobleme gab und teilweise noch gibt. Wir haben beim Hin- und Rückspiel Tore bekommen, die man einfach nicht bekommen darf! Hier wurde durch die Einkäufe der Druck auf die bestehenden Spieler erhöht, man ist zu Leistung gezwungen, wenn man Teil der Stammelf sein will. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ebenso war ein kreatives Spiel nicht zu denken.

Zum Thema „Die Neuen und der späte Wechsel“

Wir haben Spieler gebraucht, die Emotion, Leidenschaft und Temperament haben. Bislang hatte wir nur wenige Spieler im Kader, denen wir zugetraut hätten, einmal in einer Liga spielen zu können wie etwa der deutschen Bundesliga. Wir wollen Topspieler, Spieler, die für andere Klubs und andere Ligen auch interessant sind.

Emotion, Leidenschaft und Temperament sind genau die Dinge, die der Fan in der Vergangenheit oft am Feld vermisst hat. Man kann verlieren – keine Frage – es geht halt um das „wie“. Von Spielern dieser Qualität MUSS man erwarten können, dass sie in 90 Minuten mit Leidenschaft und Kampfgeist auftreten und sich im Falle eines Rückstandes nicht gleich selbst aufgeben oder im Fall einer Führung nicht nur auf das Verwalten des Ergebnisses beschränken. Ob unsere Neuzugänge diesen Umstand ändern werden, wird die Zukunft zeigen. Schmidt und Glasner haben in diesen Tagen sicherlich alle Hände voll zu tun.

Was wäre denn die Alternative gewesen? Natürlich hätten wir bis zur Winterpause warten können und erst dann zuschlagen können. Dann hätten wir aber noch weniger Zeit gehabt, uns einzuspielen und die halbe Saison wäre außerdem schon gelaufen gewesen. Wir haben jetzt einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und in die Zukunft investiert. Ich hoffe, dass wir nicht mehr so verlieren, wie wir das in der Vergangenheit getan haben. Wie zum Beispiel gegen Düdelingen oder auch gegen Rapid. Die Niederlage gegen Rapid hat mich persönlich noch mehr geärgert als jene gegen Düdelingen. Denn gegen Rapid waren 18.000 Zuschauer da und die haben eine Mannschaft gesehen, die ohne Willen gespielt hat. So etwas Lustloses habe ich selten gesehen.

Salzburg hat erst knapp vor Ende der Transferperiode so richtig zugeschlagen. Es hätte früher sein können, aber keinesfalls später – da gebe ich dem Sportdirektor vollkommen recht. Mich hat das Spiel gegen Rapid auch massiv geärgert. Die Spieler standen wie Schlachtvieh am Feld. Wie gesagt, man kann immer verlieren, aber es geht um’s „wie“.

Zum Thema „Leogionäre und junge Spieler“

Ich muss da die Gegenfrage stellen, wie viele Spieler haben am Dienstag in der österreichischen Nationalmannschaft gespielt, die ihr Geld in der österreichischen Bundesliga verdienen? Zero! Und wir haben ja nach wie vor österreichische Spieler im Kader. Denen trauen wir auch zu, dass sie spielen und den Fußball spielen können, den wir spielen lassen wollen. Wir wollen Meister werden und den Cup-Sieg holen, aber in einer anderen Art und Weise wie das in der Vergangenheit der Fall war.

Heinz Hochhauser hat den Salzburger früher die „Bürde Champions League“ abgenommen. „Junge Österreicher“ war dann ein Thema, doch der „Pott“ ist erschöpft. Der Weg des Ralf Rangnick ist einfach definiert. „Spieler, für die Red Bull Salzburg der richtige Schritt in ihrer Karriere ist“ sollen verpflichtet werden. Und sie sollen uns weiterbringen. Bei zwei Neuzugängen hat sich dies bereits bewahrheitet. Berisha und Nielsen demonstrierten schon in den wenigen Spielen, dass es auch anders geht als bisher. Die anderen Neuzugänge werden dies noch unter Beweis stellen müssen. Wenn ein „junger Österreicher“ nicht weiterhelfen kann, muss man auf ausländische Spieler zurückgreifen. Neuzugang Boyd bei Rapid ist ja auch keiner.

Es ist nicht leicht gute, junge Spieler zu bekommen. An Zymer Bytyiqi war, nachdem wir schon mit ihm gesprochen hatten, auch Manchester United dran. Da sieht man schon, was der Junge kann. Mit der Verpflichtung von jungen Spielern ist unsere Arbeit aber noch nicht getan. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich gut einleben und wohlfühlen. Ein Bytiqi aber auch ein Valentino Lazaro haben ein unglaubliches Talent, wir müssen schauen, dass sie sich so gut wie möglich bei uns weiterentwickeln.

Gefällt mir. Der Weg den Rangnick hier einschlägt, klingt am Papier richtig und vernünftig. Ob er funktioniert, werden wir nach 36 Runden sehen.

Zum Thema „Qualität“

Heuer sind wir gegen Düdelingen ausgeschieden, damit haben weder ich noch Roger Schmidt gerechnet. In Zukunft wollen wir eine Mannschaft haben, die nicht mit viel Bauchweh über ein Team wie Düdelingen drüberkommt, sondern auch Mannschaften schlagen kann, die vielleicht besser eingestuft sind als Red Bull Salzburg. Um das zu schaffen, müssen wir Schritt für Schritt machen. Es ist nicht selbstverständlich gewesen, dass diese Spieler, die wir jetzt geholt haben, nach Salzburg kommen. Das hat viel Überzeugungsarbeit gekostet und ich bin schlussendlich sehr froh, dass es geklappt hat.

Schneller Kommentar: Ich bin auch froh. Und ich hoffe, dass ich so etwas wie „Düdelingen“ nie wieder erleben muss.

Zum Thema „Kadergröße“

Mit Douglas, Cristiano, Leonardo, Joaquin Bohossian und Rasmus Lindgren haben wir fünf Spieler, die nicht mehr mit uns trainieren, sondern ab sofort beim FC Liefering mitmachen werden. Wir haben ihnen mitgeteilt, dass für sie keine Möglichkeit besteht, mit der Mannschaft zu trainieren. Wir können und werden nicht mit einem 31-Mann-Kader trainieren. Die perfekte Kadergröße hat für mich eine Anzahl zwischen 21 und 22 Feldspielern.

Scheinbar hat dieser Schritt – so berichten die SN von heute – nun auch rechtliche Konsequenzen, aber das soll hier nicht unser Thema sein. Die Kaderreduktion ist dringend notwendig gewesen. Schon in der Schule sieht man, dass man mit weniger Leuten einfach weiter kommt, was ja letztendlich auch logisch ist. Wir hatten gestern auch die Gelgenheit kurz mit dem neuen GF Jochen Sauer zu sprechen. Auf dieses Thema angesprochen meinte er, dass man bei diesen Spielern einfach der Meinung sei, dass sie den Verein nicht weiter bringen können (Anm. von mir: oder möchten).

Zum Thema „Jakob Jantscher“

Ich muss da jetzt einmal eine Sache aufklären. Jakob ist eine Woche, nachdem wir gegen Düdelingen aus der Champions League ausgeschieden sind, zu uns gekommen. Er hat uns mitgeteilt, dass er gehen will. Wenn möglich für weniger Geld als vertraglich festgehalten war. Diesen Wunsch haben wir ihm aber vorerst ausgeschlagen. Doch dann hat sein spielerisches Verhalten nachgelassen. Dann haben wir uns gefragt, was Sinn macht, ob wir einen Spieler bei uns behalten, der unzufrieden ist oder ihn doch ziehen lassen?

Das wirft ein anderes Licht auf die Causa. Schon in Kreisen der Fans wurde gerätselt, was mit JJ7 „los“ sei – er war meilenweit von seiner letztjährigen „Darbietung“ entfernt. Auch beim Spiel gegen Wacker war zu beobachten, dass er nach seinem Tor wieder zwei Gänge zurückschaltete. Dort wurde er übrigens zum wiederholten Mal von Dynamo Moskau gescoutet. Reisende soll man ziehen lassen. Auch wenn die Salzburger damit ein Fanliebling verloren haben…

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
6 Anzahl der Kommentare
  • Alex Januschewsky
    17 September 2012 at 15:47
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    Nein Werner, es ist nicht der "Fehler" von RBS, aber wenn man in 7 Spielen SO daneben haut, wir wir das vergangene Saison gemacht haben, dann spricht das für die Schwäche der restlichen Bundesligavereine. Natürlich haben sich die Spieler wieder zurück gekämpft und den Titel geholt, was ja auch eine tolle Leistung ist. Aber – und da bin ich mal frech – ein Drittel des Meistertitels geht auf das Konto der anderen BuLi-Vereine.

  • Werner Renzl
    17 September 2012 at 15:42
    Leave a Reply

    Lieber Alex! Du hast schon recht, mit 2 Punkten aus sieben Spielen wird man normalerweise nicht Meister. Aber eine Frage hätte ich schon:Ist es eigentlich jetzt der Fehler von RB Salzburg, dass die anderen, ich sage jetzt mal, noch schwächer waren. Und auch in meinen Augen ist es eine Herabwürdigung von Trainer und Mannschaft, die den Titel 2012 erreicht hat. Und im ganzen Frühjahr nur eine Niederlage einstecken zu müssen, ist auch nicht so schlecht. Eigentlich brauchen wir die Rapid-Fans gar nicht, wenn der Sportdirektor solche Meldungen öffentlich von sich gibt.

  • Georg Stranzl
    14 September 2012 at 15:12
    Leave a Reply

    In Salzburg nur die Austria ihr erfolgsverwöhnten Kinder! Wenns heuer net Meister werdets san eh wieder nur 3-4000 im Stadion! Lächerlich 🙂

  • Dominik Stangl
    14 September 2012 at 11:43
    Leave a Reply

    Bin da voll deiner Meinung Corinna 🙂 ! N Super Kommentar 😉

  • Alex Januschewsky
    14 September 2012 at 11:12
    Leave a Reply

    Danke Corinna. Das Thema brannte mir auf der Seele.

  • Corinna Weißmantel
    14 September 2012 at 11:07
    Leave a Reply

    Alex, du bringst es wie immer auf den Punkt. Sehr gute Statements. Es gibt dem nichts mehr hinzuzufügen.
    Du wirst sehen, Ralf Rangnick wird uns mit seiner Strategie ganz nach vorne bringen

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