Kommerzklub – Karten auf den Tisch!

Warum Kommerz gut und wichtig ist und warum der "Fan" dazu stehen sollte. Alle Fans! Auch die, der Wiener Vereine....
Kommerz im Fussball
Kommerzklub – Karten auf den Tisch!
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Kommerzklub! Ein Wort, dass ich persönlich nicht mehr hören kann. Dieses Wort resultiert aus der Ahnungslosigkeit und leider auch Uninformiertheit vieler Fußballanhänger – nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Kommerz – ursprünglich „Geschäftsleben“ (von lat.: commercium, „Handel“, aus cum „mit(einander)“ und merx „Handelsgut“, über das frz. commerce),[1] wurde teilweise bis ins beginnende 20. Jahrhundert in der ursprünglichen Bedeutung als Synonym für Handel verwendet – wird heute abwertend für die Maximierung von Gewinnen verwendet.

Österreichs Fußballklubs haben Gewinne dringend nötig

In den Augen vieler Fußballfans ist Kommerz – also „möglichst viel Gewinn“ (hier ist natürlich der finanzielle Gewinn, nicht der sportliche gemeint) erzielen also schlecht. Dabei hätten wir Österreicher dringend mehr Gewinn nötig. Egal ob in Salzburg, Wien, Graz oder sonst wo. Sehr schön wurde dieses Thema von der Zeitung Format dieser Tage aufgearbeitet und die Ergebnisse mögen überraschen (mich nicht, aber andere). Der gerne so betitelte „Kommerzverein Red Bull Salzburg“ macht nicht den höchsten Gewinn der Liga, ist also de facto auch nicht der Kommerzklub schlechthin. Die letzten offiziellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2011 – da mussten die Bundesligaklubs ihre Daten an den KSV übermitteln. Das sah dann so aus:

Die Top 5 der Liga – nach Jahresergebnis (in Mio. Euro)
PlatzVereinUmsatzEigenkapitalJahresergebnis
1Rapid Wien30,21,51,4
2Austria Wien23,4-4,61,2
3Red Bull Salzburg54,6-71
4Admira Wacker4,7-0,40,27
5Sturm Graz15,26,80,16

Salzburg ist zwar der umsatzstärkste Verein, hat aber auch die größten Ausgaben und ein negatives Eigenkapital, was die Mozartstädter auf den 3. Platz fallen lässt. Salzburg wird immer ein überhohes Budget zugeordnet, aber nicht einmal Format konnte dieses in Erfahrung bringen. Man spekuliert nur, was aber letztendlich auch egal ist, dann darauf will ich nicht hinaus. Ich will jetzt auch gar nicht auf den „traditionellen und kommerzlosen“ (Eigendefinition) Wiener Vereinen herumhacken, sondern eigentlich alle Vereine und Fans dazu ermutigen, kommerzieller zu denken! Warum? Dazu etwas später.

Arme Würsterl

Wenn wir uns ansehen, was andere Länder im Fußball so umsetzen, darf einem als Österreicher schon ein bisserl schlecht werden. Ja, die haben alle mehr Einwohner, aber wir haben auch weit kleinere Stadien, die es zu füllen – oder eben nicht – gilt.

So werden in England (alle Angaben in Mio. Euro) 2.500, in Deutschland 1.746, in Spanien 1.718, in Italien 1.553 und in Frankreich 1.040 (wie gesagt – Angaben in Millionen Euro!!!) umgesetzt. Österreich „krebst“ – ähnlich wie die Schweiz – bei rund 155 Mio. Euro herum. Weniger Einwohner, ok, kann man gelten lassen.

Während sich die Salzburger glücklich schätzen dürfen, einen Dietrich Mateschitz zu haben, sind die anderen Vereine auf Sponsoren angewiesen. Ist ja auch kein Problem. Sponsoring macht in Österreich aber nur 27% aus, was zum einen zu „Litfasssäulen-Dressen“ oder andererseits zu Vereinsnamen führt, die einen schmunzeln lassen. Was allerdings dann doch immer wieder gerne untergeht, ist die Förderung einzelner Vereine durch die Politik – in ansehnlichen Höhen. Satte 26,4 Mio. euro bekam Rapid Wien gerade von der Stadt Wien – davon gehen 18 Mio. in die Renovierung/Sanierung/Modernisierung des Stadions in Hütteldorf.

Auch die Fußballfans haben eine Teilschuld

Ja, vielleicht gerade du bist mitschuldig, dass dein Verein finanziell nicht erfolgreich ist. Denn die Zuseherzahlen – auch im Hinblick auf die kleineren Stadien in unserem Land. In Österreich sahen – im Jahresschnitt – 7.859 Zuseher die Spiele. Schon schwach, oder? England verzeichnet 34.628, Deutschland sogar 42.100 Zuseher pro Spiel! Daraus resultieren natürlich auch finanzielle Einbußen der Vereine. Ohne Moos nix los. Also keine Modernisierung der Infrastruktur oder womöglich sogar ein ausbau. Dadurch leidet die Attraktivität, persönlich auf den Platz zu kommen. „Man“ hat ja ORF HD oder SKY und zu Hause ist’s dann wohl vielen doch bequemer als im Stadion. Den Stadion-Effekt kann man ja auf der Heimkinoanlage in Dolby-Digital auch einstellen, gell? Leider bekommen die Vereine auch keine hohen Einnahmen an den Rechten für die TV-Übertragung. Ein Teufelskreis!

Europa – wir kommen! Oder eben nicht. Oder nicht lange.

Nein, kein weiterer Artikel zu „Düdelingen“. Und ich wünsche – und das mein ich ehrlich – den verbliebenen „Eurofightern“ Admira, Ried, aber auch Rapid sportlich und finanziell nur das Beste! Nun haben diese drei Vereine die Möglichkeit, wichtige Punkte in der 5-Jahreswertung zu holen, wie es Salzburg in den vergangenen Jahren – nicht nur für sich, sondern auch für die anderen Bundesligavereine – gemacht hat. Aber auch für die europäischen Ligen gilt – ohne Moos nix los – und das fehlt allen Bundesligavereinen. Ja, auch Salzburg! Denn wenn man sich international so umschaut, wird man feststellen:

(Genug) Geld spielt Fußball!

Auch wenn das öffentlich unbekannte Budget der Salzburger höher als das der anderen Vereine sein mag – heutzutage ist das alles nicht genug. International spielt Geld auf jeden Fall Fußball. Meistens zumindest. Es gibt zwar ab und an auch Beispiele, wo „Underdogs“ gegen „große oder größere“ Klubs gewinnen, was wir vor wenigen Tagen schmerzvoll am eigenen Leib erfahren mussten. Andersrum musste eine solche Pleite die (mittlerweile 318 !!!) Millionentruppe Paris Saint Germain in Salzburg erleben, als wir einen echten „Krösus“ mit einem 2:0 wieder nach Frankreich befördert haben. Wie sich PSG mit Ibrahimovic und Thiago (die beiden zusammen sind mehr als das Doppelte des Salzburg-Kaders wert!) dieses Jahr schlagen wird, wird sich am Saisonende entscheiden. FC Chelsea hat ja auch nicht mit „Herz und Tradition“ die Champions League gewonnen. Da mag der Marktwert von über 430 Mio. schon einen guten Teil dazu beigetragen haben, oder?

Fußballvereine wie Firmen führen

Beim Fußball der höchsten Spielklasse geht es heute nicht mehr um ein „Seiterl und ein paar Würschtl“. Das müssen auch die Führungen der anderen Vereine kapieren und ihren Anhängern begreiflich machen. Es geht hier um Geld, um Mitarbeiterführung, um soziale und wirtschaftliche Verantwortung. Rapid hat allein in dieser Saison bei den Tranfers einen Verlust von über 300.000,– Euro „gebaut“. Austria Wien sogar eine halbe Million. Da reden wir nicht von „Peanuts“. Salzburg hat zwar noch mehr ausgegeben, aber dieser Verein steht auf wirtschaftlich sicheren Beinen. Und wird wie eine Firma geführt – was ich persönlich befürworte. Auch RZ Pellets WAC hat „eingekauft“, allerdings ablösefreie Spieler, bis auf Ruben Rivera, da ist keine Ablösesumme öffentlich. Aber sollten die Kärntner einen ähnlichen „Durchmarsch“ in dieser Saison machen, wie der letztjährige Aufsteiger Admira – reichen ihnen dann diese Spieler, um europäisch durch Siege an den „Pott“ zu kommen, den die UEFA da ausschüttet? Oder muss man dann doch ein paar „gute Kicker“ und „gutes Geld“ holen. Wahrscheinlich. Denn irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Football is for you and me and not for…

Nein, ich komplettiere den Satz nicht. Den kennt ohnedies jeder. Der von den Ultras breit getretene Spruch, ist so verstaubt wie nie zuvor. Fußball IST ein Industriezweig, man SOLL mit Fußball auch Geld verdienen! Denn durch Geld können Infrastrukturen ausgebaut, Stadien modernisiert, Talente gefördert und womöglich auch mal richtig gute Kicker entweder verpflichtet oder geschaffen werden. Wenn sich in Österreich gute Talente entwickeln, geht’s für die meisten eh ins Ausland – da refinanziert sich der (finanzielle) Einsatz wieder. In Erinnerungen schwelgen hat natürlich Charme, ohne Zweifel. Die kaputte Holztribüne, die Frau vom Zeugwart, die Würstln und Bier in Flaschen verkauft, nach dem Spiel mit dem Torschützen einen „heben“ gehen. Ja, das war was. Betonung auf WAR! So ist Fußball nicht mehr. Die Vereine gehen – teilweise – schon mit der Zeit. Das muss sich dann nur noch auf die letzten Reihen der Fantribünen herumsprechen, denn Tradition und Herz allein sind zwar „nice to have“, bringen aber die Vereine um keinen Schritt weiter. Also: „Packt die Kommerzkeule ein!“ Kommerz ist gut und wichtig, wenn sich im Österreichischen Fußball etwas bewegen soll. Nach vorne natürlich!

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
13 Anzahl der Kommentare
  • Werner Renzl
    2 August 2012 at 13:30
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    Nein, kommentiere ich nicht, es ist ja alles gesagt.

  • Christoph Luke
    2 August 2012 at 13:36
    Leave a Reply

    Wie Du selbst schreibst: Der Begriff Kommerz wird heutzutage einfach abwertend verwendet.

    Die selben Leute, die Kommerz schreien, schreien im selben Augenblick, die Klubs mögen doch bitteschön "ordentlich wirtschaften".

  • Alex Januschewsky
    2 August 2012 at 13:41
    Leave a Reply

    Soll vorkommen, ja. Fällt für mich in die Kategorie "gelebte Schizophrenie". Traurig.

  • Christoph Luke
    2 August 2012 at 13:48
    Leave a Reply

    Kenne Traurigeres, um ehrlich zu sein. 😉

    Ist doch egal, ob da wer was von Kommerz etc. herumlabert. Sobald er in der Oberstufe BWL-Unterricht hat, kommt die Erkenntnis dann schön langsam…

  • Alex Januschewsky
    2 August 2012 at 13:52
    Leave a Reply

    Dann waren wohl "verdammt viele" nicht der Oberstufe beim BWL Unterricht. Es geht nur um Hass und Neid – ohne gross nachzudenken, wurde ein Feindbild geschaffen, welches keines sein sollte.

  • Marijan Kelava
    2 August 2012 at 13:57
    Leave a Reply

    Christoph Luke Das Gefühl hab ich leider nicht :/

  • Markus Pfatschbacher
    3 August 2012 at 9:00
    Leave a Reply

    Interessante Fakten…ichhabe auch immer gesagt dass Hofmann und Co. auch gutes Geld verdienen. Und auch die Jungs der Austria Salzburg spielen sicherlich nicht für a "Gulasch und a Bier"…aber das wird dann immer verschwiegen!!!

  • Florian Renn
    3 August 2012 at 10:55
    Leave a Reply

    also, verglichen mit den genannten spielen meine violetten krieger tatschlich für a "gulasch und a bier".

    PS: die austria ist bei weitem nicht der budgetkrösus der westliga. da gibts so kandidaten wie wattens oder beispielsweise eine firmentruppe aus liefering mit sehr enger beziehung nach wals siezenheim, wo spieler mit geld förmlich zugeschissen werden. 😉

    PPS: wenn man die leistungen so miteinander vergleicht, wirtschaften wir mit sicherheit effektiver. 😛

  • Rene Pfatschbacher
    3 August 2012 at 10:58
    Leave a Reply

    Ich spar mir meinen Kommentar 😉

  • Jakob Burgthaler
    4 August 2012 at 18:41
    Leave a Reply

    Alex Januschewsky Obmann-Gott!

  • Tamy Teubner
    7 August 2012 at 10:16
    Leave a Reply

    Als Austria Fan spare ich mir jegliches Kommentar. 😀

  • Reinhard Stinson
    7 August 2012 at 18:07
    Leave a Reply

    so ein blödsinn!
    ich denke die allerwenigsten fans haben was dagegen, wenn ein klub geld verdient.
    was zum thema RB mit kommerz gemeint ist, ist vielmehr die tatsache, dass fußballfans Red Bull egal sind, man will nur die skyboxen voll kriegen und frauen mit ihren kindern "lets go red bull"-fahndln schwingen sehn (warum ned wenigstens lets go salzburg?!). RB scheisst einfach auf die vergangenheit, kein violett, kein aida, zensur nach belieben zu kritischen themen im offiziellen forum, usw. usf… aber schön vom 7. meistertitel reden. wer kann sich denn bitteschön mit den marketinginteressen von RB identifizieren? 100-200. mehr sicher nicht. und sobal die austria wieder in der buli ist kann man stadion tauschen, weil dann alle, die sich nicht mit dem klub identifizieren können (und nur auf erfolg aus sind – gloryhunter…) zur austria gehen. da gibts bezug zu alten zeiten und auch mehr bezug zu SALZBURG!

  • Alex Januschewsky
    9 August 2012 at 15:38
    Leave a Reply

    Erstens kein Blödsinn, sondern belegbare Fakten.
    Zweitens verkennst du die Situation. Man will, dass das Sponsoring sich "rechnet", die Fans zu Kunden machen. Das ist bei Bundesligavereinen (siehe "Traditionsberein Rapid": http://www.youtube.com/watch?v=1C_NiSlRajQ&playnext=1&list=PL742A0294A65C9EAF) so, nur in den unteren Klassen vielleicht noch nicht. Zum Thema Zensur könnt ich dir bei anderen Vereinen auch was sagen – aber das findest selber heraus. Und eines noch – ich bin seit 1975 Fan der Salzburger und bin den eigenartigen Trotz-Weg der Neugründung nicht mitgegangen. Der Verein war noch nie so offen für Vorschläge und (konstruktive) Kritik! Vielleicht liegt es an euch oder euren Formulierungen, dass man zensieren muss? Denk mal nach darüber…

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