Nur 4-3. Oder: So bitter können Siege sein
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Unfassbar. Auch am Tag danach noch. Und so schnell wird man das jähe Ausscheiden aus dem internationalen Geschäft auch garantiert nicht wegstecken bzw. vergessen können…
Zwar gewann man das Heimspiel gegen den luxemburgischen Meister Dudelange mit 4-3, nach Auswärtstorregel bedeutete das für die Roten Bullen jedoch, dass man erstmals in der RedBull-Ära bereits in der zweiten Runde der CL-Quali gescheitert war.

salzburg12.at geht im Folgenden dem Desaster auf den Grund:

Vorweg muss die Personalpolitik von Roger Schmidt, sowohl im verlorenen gegangenen Hinspiel als auch die beim gestrigen Rückspiel, sehr kritisch beäugt werden. Ist es sinnvoll, in beiden Spielen mit drei Verteidigern auf der Bank zu beginnen, dafür aber konsequent – und trotz Stürmerknappheit – auf Boghossian zu verzichten? War Maierhofer, der unbewegliche, technisch arg limitierte Strafraumstürmer in einem Spiel, in dem man einen rein destruktiven Gegner mit spielerischen Mitteln ausspielen muss tatsächlich die bessere Variante als Cristiano? Ist Christian Schwegler (8 Assists in 112 Spielen für Red Bull Salzburg) in einem Spiel das man unbedingt gewinnen muss wirklich über Florian Klein (16 Assists in 148 Spielen für Austria Wien) zu stellen? Ist Ilsanker ein besserer Verteidiger als Schiemer? In sämtlichen Fällen würde ich eindeutig mit ‚nein’ antworten. Freilich, Roger Schmidt wird sich bei allen Entscheidungen etwas gedacht haben – unterm Strich ist man jedoch gegen Halbprofis verdient ausgeschieden, und somit hat er selbstredend auch dafür gerade zu stehen.

Wie schon im Hinspiel, wie aus den Highlights zu erkennen war, hatte Salzburg auch gestern arge Probleme mit dem von Roger Schmidt geforderten Pressing: Vorne erkämpft man viel zu wenig Bälle, im Mittelfeld gibt man sie viel zu leicht verloren und hinten ist man offen wie es sonst nur ein Scheunentor sein kann. In Luxemburg wechselte Schmidt mit Lindgren einen destruktiven 6er ein um hinten abzusichern (dass man trotzdem, und gerade durch einen Fehlpass von Lindgren, in Rückstand ging macht die Sache noch trauriger), gestern musste man hingegen bedingungslos angreifen – und fing sich prompt drei (!) Gegentreffer ein.

Das erste Gegentor resultierte aus einem leichtfertigen Ballverlust, einer zu weit aufgerückten Doppelsechs, und alles was danach kam war ein fein herausgespielter Konter der Düdelinger.
Gegentor Nummer 2 ist eher auf individuelles Versagen zurückzuführen als auf mannschaftstaktische Fehler – Andreas Ulmer, zusammen mit Schwegler und Ilsanker eindeutig schwächster Mann am gestrigen Tag, und Martin Hinteregger ließen im Zweikampfverhalten jegliche Bundesligatauglichkeit vermissen.
Und das 2-3 war schlicht ein Armutszeugnis für Roger Schmidt – er predigt von Pressing, er predigt von „den Gegner ernst nehmen“ und trotzdem lässt seine Mannschaft in aller Seelenruhe einen Luxemburger abziehen – und genau ins, von ihm aus gesehen, rechte Eck treffen. Es sei zwar erwähnt dass du Tore wie das 2-2 oder eben das 2-3 nur dann bekommst wenn der Gegner den Tag seines Lebens hat, einfach jeder Schuss ein Treffer ist, doch auch unter diesen Voraussetzungen müsste Österreichs Doublegewinner normalerweise in der Lage sein, Dudelange auszuschalten.

Nach dem Rückstand wirkte man wie gelähmt, fast resignierend, im Selbstmitleid badend. Cristiano und Zarate brachten allerdings neuen Schwung in die Mannschaft, sodass man in Minute 82 sogar noch 4-3 in Führung ging. Beinahe wäre sogar noch ein fünfter Treffer gelungen, doch es sollte offensichtlich nicht sein.

Dem Kampfgeist der Spieler ist, zumindest in diesem Spiel, kaum ein Vorwurf zu machen. Vielmehr scheiterte es an spielerischem Vermögen und taktischer Feinabstimmung. Für Roger Schmidt ist zu hoffen, dass die nächsten Spiele eher dem ausgezeichneten Auftritt gegen Sturm Graz ähneln als der gestrigen Darbietung. Bittere Gewissheit ist jedoch bereits jetzt – selbst wenn Red Bull Salzburg die nächsten 35 Bundesligapartien gewinnt, dabei vielleicht auch noch den Cup-Sieg einfährt, wird die Saison 2012/13 letztlich immer auf den 24. Juli 2012 reduziert werden. Und das vielleicht nichtmal ganz zu unrecht.

Dominik Seitlhuber

19-jähriger Taktikfanatiker aus Niederösterreich. 🙂

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4 Comments
  1. […] “Färör” in der Geschichte stehen. Und es tat weh. Verdammt weh. Ursachenforschung hat mein Kollege […]

  2. Bernhard Forstenlechner 6 Jahren ago

    Wenn der Weizen zu Spreu wird

  3. Florian Dürager 6 Jahren ago

    der vorletzte Satz wird uns nach der 36. Runde sicherlich vorgehalten…..

  4. […] dabei auch Dusan Svento, der sich immer noch im Aufbautraining befindet): Das Rückspiel in Salzburg gewannen die Roten Bullen zwar, aber nicht “hoch” genug. Salzburg scheitert […]

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