Reset beim Meister und Doublesieger

Eine Analyse des gestrigen Neustarts beim Meister und Cupsieger....
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Reset beim Meister und Doublesieger
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Ein Reset (englisch [ɹiː’sεt], zu deutsch: zurücksetzen) ist ein Vorgang, durch den ein System in einen definierten Anfangszustand gebracht wird. Dies kann erforderlich sein, wenn das System nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert und auf die üblichen Eingaben nicht reagiert.

So ein „Reset“ fand gestern in der Red Bull Arena statt. Dietrich Mateschitz hat diesen Neustart eingleitet – einleiten müssen – nachdem Meistertrainer Moniz seinen Hut genommen hat. Doch was sich gestern abspielte, war weit mehr wie ein Trainerwechsel, es war meiner bescheidenen Meinung nach ein Neustart par excellence beim Meister. Dies dürfte auch den interessierten Fans und Medienvertretern bei der Pressekonferenz in den Sinn gekommen sein. Alles neu, macht der … Juni.

Ralf Rangnick

Ralf Rangnick

Philosophiewechsel
Eine erste Premiere fand gleich direkt am Podium statt. Ich könnte mich nicht erinnern, dass ein Vorstandsmitglied – gestern in der Person von Volker Viechtbauer – am Podium einer Pressekonferenz sass.  Und er sparte nicht mit Kritik. Eine Kritik an der Vergangenheit. Vorgegebene Konzepte, wie der vielfach geforderte Einsatz von jungen Spielern durch die Trainer, fanden nicht statt. So stellte sich die Vereinsführung das nicht vor. Sportdirektor Rangnick scheint bei der Führungsspitze offene Tore eingerannt zu haben, denn eine Verjüngung der Mannschaft steht auch auf seiner Prioritätenliste. Aber auch der Coerver-Methode, nach der lange Zeit (und auch unter Moniz) trainiert wurde, hat man de facto eine Absage erteilt. Da sind sich Schmidt und Rangnick einig. Rangnick betitelte das Konzept als veraltet und zu statisch. Auf Top-Niveau wird so nicht mehr gespielt – meinte er und nannte die Spielweise von Barcelona als Beispiel. Das dieses System veraltet ist, zeigt für Rangnick auch die Spielweise der Holländischen Nationalmannschaft bei der EM 2012. Die Holländer waren dort der „Punktelieferant“ und schieden mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 2:5 als Letzter aus. Auch dem in jüngerer Vergangenheit oftmals kolportierten 8-8-8 System der Salzburger konnte er nicht viel abgewinnen. So habe er noch nie eine Mannschaft aufstellen müssen.

Kontinuität?
Der Aussenstehende kann nur eine Kontinuität in Sachen Trainer- und Personalwechsel erkennen. Doch Volker Viechtbauer erklärte:  „Konitnuität kann man nur umsetzen, wenn man die richtigen Leute dazu hat. Diese hat man aber vielleicht nur in der Formel 1“.

Schmidt und Rangnick

Schmidt und Rangnick

Kongeniales Duo?
Rangnick und Schmidt harmonieren. Das war gestern spürbar. Ähnliche Typen, eine gemeinsame Strategie.  Allerdings ein Duo, dass weder den Verein, die (sportliche) Umgebung, die Spieler, aber auch die Fans kennt. Und viel Zeit haben die beiden nicht, dieses Manko auszubessern. Am Ende des Trainingslagers, sollte man ein wenig beurteilen können/müssen, wo ein spielertechnisches Manko herrscht, wo aufgebessert werden muss. Und beide müssen die bestehenden Fans kennenlernen und es mit dem angekündigten „Offensiv-Fußball“ schaffen, die „Massen“ zurück in die Arena zu holen. Rangnick: „Ich habe gesehen, dass fallweise nur 3000 Leute bei den Spielen waren. Das hat in Deutschland nahezu jeder Drittligist“. Eine erste Gelegenheit, die Fans kennenzulernen, bietet sich kommenden Donnerstag. Da werden ausgewählte Fans die Mannschaft im Trainingslager besuchen. Auch salzburg12.at ist für euch vor Ort. 

Große Ankündigungen, aber was bleibt?
Angekündigt wurde in Salzburg schon viel. Doch das Duo Schmidt/Rangnick vermittelte gestern Glaubwürdigkeit, die auch bei den Fans angekommen ist, wenngleich vorsichtig. Vorschusslorbeeren gibt es in Salzburg keine mehr – eine Lehre aus der Vergangenheit. Der Fan wurde vorsichtig, denn viele Dinge, die beispielsweise Fanclubobmänner mit der Geschäftsführung in früheren Jahren besprochen hatten, fanden dann nicht statt, weil die Person nicht mehr greifbar war. Eine bemerkenswerte Absage erteilte aber Neo-Coach den Einflüsterern – beispielweise aus der medizinischen Abteilung. Er trage die Verantwortung und müsse für Entscheidungen auch gerade stehen. Aber Schmidt bezeichnete sich selbst als Teamplayer. Er wird sich sicherlich andere Meinungen anhören, aber ob und wie diese Ratschläge dann umgesetzt werden, ist ein anderes Thema.

Bild machen und nachbessern
Gestern fand nun die erste Trainingseinheit in Leogang statt, wo sich Schmidt und Rangnick ein erstes Bild der Mannschaft machen konnten. Beachtenswerterweise stellte das Duo aber auch alle vorhandenen Differenzen auf Null. Ein Leonardo, der vor wenigen Tagen nach einem Streit mit Piet Hamberg aus dem Kader flog, ist im Trainingslager dabei. Die „Diva“ und „Liebkind von Moniz“ hat nun also die Chance, sich erneut zu beweisen. Wer sich nicht beweisen braucht, ist ein Romeo Castelen, der vergangene Woche noch mittrainierte. Ins Trainingslager wurde er nicht mitgenommen. Aber auch die Gerüchte um Torschützenkönig Jakob Jantscher und Flügelflitzer Dusan Svento verstummen nicht. Vereine zeigen ihr Interesse und die Transferzeit dauert ja noch an. Würden die beiden Salzburg verlassen, entstände ein ziemliches Manko. Aber detailliert ist weder über Zu- noch Abgänge etwas zu hören. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis sich Schmidt und Rangnick ein Bild machen können und die Mannschaft kennenlernen. Aber dann wird wohl eine Entscheidung fallen, mit wem man die neue Saison beginnt, wer geht/gehen muss oder wo nachgebessert wird.

Die Aussenwirkung des Resets
Die Printmedien agieren wie gewohnt. Beispielsweise war von „Revolution“ war zu lesen, was ja im Endeffekt auch stimmt. Andere berichten sachlich, die üblichen Verdächtigen emotional, aufbauschend. Die Fanbasis reagiert skeptisch, ist vorsichtig. Aus bekannten und oben genannten Gründen. Die Fans der anderen Mannschaften reagieren mit unverändertem Bashing, was zu erwarten war.

Was kann Schmidt, was Kovac nicht kann? Und wer wird Co-Trainer?
Kovac war und ist nicht nur bei den Fans beliebt. Doch seine Chancen als Trainer scheint er selber verspielt zu haben, als er sich beim Verein die Freigabe holte, mit dem Ligakonkurrenten Sturm Graz über den Posten des Trainers zu verhandeln, wie man bei der gestrigen Pressekonferenz hören musste. Ein Roger Schmidt schaffte es aus einem finanziell schwer gebeutelten Verein, der zum Auslaufen (um den Rasen zu schonen) durch die Paderborner Stadt trabt, eine Truppe zu formen, die um den Aufstieg in die 1. Bundesliga in Deutschland mitspielte und diesen nur knapp verpasste. Ein Team formen, das kann er. Und das ist in Salzburg von Nöten, um die kommenden Aufgaben – Champions League Qualifikationen samt Ziel „Gruppenphase“, Verteidigung des Meistertitels und Cupsiegs, zu bewältigen. Wer sein Co-Trainer wird, steht auch noch nicht fest. In der Pipeline würde ein Piet Hamberg stehen, aber auch ein Marco Pezzaiuoli taucht in der Gerüchtebörse auf, da er eine Vertrauensperson von Neo-Sportdirektor Ralf Rangnick ist, bei seinem Ex-Klub Hoffenheim schon 2011 (Vertrag bis 2014) beurlaubt wurde und dort nicht mehr arbeiten wird.

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
3 Anzahl der Kommentare
  • Alex Januschewsky
    26 Juni 2012 at 17:07
    Leave a Reply

    Bin ja echt gespannt, wer Co-Trainer wird und wen das Duo Schmidt / Rangnick noch als Verstärkung holt…

    • Stefan Glanz
      26 Juni 2012 at 17:19
      Leave a Reply

      Marco Pezzaiuoli wär ja ein ganz heißer Tip 🙂

  • Christoph Luke
    4 Juli 2012 at 9:22
    Leave a Reply

    Sehr interessante Zusammenfassung!

    Spannend finde ich die Aussage des Vorstandsmitglieds. Nach sieben Jahren Red Bull zu erklären, dass ja eigentlich Konzepte nie umgesetzt wurden, finde ich ein bisschen billig. Es sei dann, es war (auch) als Selbstkritik gedacht. 🙂

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