Judas, Verräter und andere Nettigkeiten

Quo vadis supporters? Unterstützung? Ja! Beschimpfungen? Ein NO-GO!...
smrapidsalzburg
Judas, Verräter und andere Nettigkeiten
1 (20%) 2 Stimme[n]

Was haben Stefan Maierhofer, Andreas Ivanschitz, Roman Kienast und neuerdings auch Florian Klein gemeinsam? Sie „trauten“ sich, von einer Österreichischen Mannschaft zu einer in der gleichen Liga zu wechseln. Und ob das 2006 bei Ivanschitz, 2011 bei Maierhofer oder 2012 bei Kienast und Klein war, die Reaktion der „Fans“ war bei allen Spielern die gleiche:

„Judas, Verräter, geldgeil,.. und andere Nettigkeiten“

gab’s in den Untiefen des Internet oder auch auf den Fussballplätzen der Republik zu hören. Bei allem Verständnis für Emotionen, aber das ist und war schon eine mehr wie harte und vor allem unnötige Ansage! Eine Chronologie aus Sicht der Spieler, die zum aktuellen Double-Sieger an die Salzach wechselten:

ivanschitzAndreas Ivanschitz wechselte in der Winterpause 2006 von Rapid zu Salzburg, wo er sich letztlich ohnedies nicht durchsetzen konnte. In 13 Spielen für Salzburger erzielte er ein mageres Tor und wurde schon im August des selben Jahres nach Athen verliehen. Zuvor erzielte er in 8 Jahren Rapid in 147 Einsätzen 25 Tore.

In ewiger Erinnerung die „Schlachtgesänge“ der „Grünen“ beim ersten Spiel gegen Salzburg, die, wie sich auch in der jüngeren Vergangenheit zeigt, eine besondere Affinität zur Mutter des jeweiligen Spielers haben:


Scheint (nicht nur) in Hütteldorf schon zum „guten Ton“ zu gehören.

Stefan MaierhoferAuch beim Wechsel von Stefan Maierhofer gabs diese „verbalen Entgleisungen“ – nur ungleich schlimmer. Beim Wechsel von Ivanschitz ware die sozialen Medien wie Facebook und Twitter noch kein Thema. Heutzutage kann aber jeder – unmoderiert und unkontrolliert – seine freie Meinung äußern, was ja im Prinzip zu begrüssen ist. Aber eben nur im Prinzip. Und so wurden „Anti Maierhofer“ Seiten und Gruppen gegründet, Schmäh- und Hasspostings zu 1000enden abgesetzt und die Fanseite des Kickers „zugespammt“.

Die Ereignisse rund um das letzte Spiel gegen Rapid im Wien sind noch in bester Erinnerung. Stefan kam, erntete Gesänge gegen die Mutter und rächte sich auf seine ganz eigene Art und Weise: Tor und „heftigster“ Jubel vor den Fans des Heimteams. Aber dazu wurde genug geschrieben.

Und dann kam der 23. Mai 2012, Florian Klein wechselt von den Wiener Veilchen an die Mozartstadt. Noch hat er mögliche Gesänge gegen sich – mangels Spiel – noch vor sich, aber die „soziale Netzwerkkeule“ hat bereits massiv zugeschlagen. Besonders dann, als Klein in einem Interview die Aussage tätigte, dass er sich in Salzburg „weiterentwickeln“ wolle und das „Geld“ nicht der ausschlaggebende Grund für einen Wechsel war.

Und jetzt sag ich mal ganz provokant: Selbst wenn er „nur“ wegen des Geldes gekommen wäre, dann wäre das auch vollkommen ok, denn immerhin würde das jeder in seinem Leben genau so machen! Nein? Nicht? Bitte – ein konstruiertes Beispiel, beliebig abwandelbar:

Herr Maier arbeitet seit 4 Jahres bei der Post. In einem kleinen Hinterkammerl voller Rauch und abgewohnten Möbeln isst er zu Mittag. Mit einem Verdienst von € 900,– Cash kommt er nach Hause. Einies Tages „flattert“ ein Angebot eines Paketdienstes herein – sie wollen Herrn Maier. In seiner neuen Stelle macht er die gleiche Arbeit, hat aber eine hochmoderne Kantine, sein Arbeitsplatz ist „top“ und er verdient nun um 20% mehr.

Wer würde dieses Angebot  nicht annehmen? Tauscht den Namen, Jobs und Geld in beliebig andere. Und genau so verhält es sich bei Fussballern!

Nur ist es da in Wahrheit noch schlimmer, da die Fussballerkarriere alterstechnisch begrenzt ist. Wenn man ein besseres Angebot bekommt als das aktuelle, dann wechselt man – egal wohin. Und das muss man als Fan – auch wenn es zu einem direkten „Gegner“ geht (vgl. Post <–> Paketdienst) auch akzeptieren. Auch wenn’s weh tut, beschimpft man weder den Spieler, noch die Verwandten.

Es geht auch anders
Natürlich ist kein schönes Erlebnis, den (womöglich) „Lieblingsspieler“ der letzten Saison nun als Gegner am Feld zu sehen. Aber genau so erging es beispielsweise den Salzburgern in dieser Saison mit Lian Dudic, der ja nun bei Sturm spielt. Milan kommt nach dem Spiel zur Süd, deutet auf den Rasen, fasst sich ans Herz und deutet auf die Fans. Die Bildersprache sollte reichen, oder?

Für uns, nicht gegen die anderen
Hassgesänge gegen das Team/den Verein kennen wir in Salzburg ja zur Genüge. Wenn wieder die Gesänge über die inexistente Züchtung der Tierarten „männliches geschlechtsreifes Hausrind“ und die tierischen Vertreter der „Ordnung der Paarhufer“ (hat das jeder? *g*) durch die Stadien Österreichs schallen, dann juckt das den Salzburger schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Es langweilt. Ebenso erinnere ich mich noch an „Lehener Zeiten“, als Gesänge a la „Und musst du mal schei**en und weisst nicht wohin, dann schei** auf die Fahne von XXXX Wien!“ angestimmt wurden. Fand ich damals schon nicht gut. Ich bin und war schon immer ein Verfechter der Unterstützung für die eigene Mannschaft und nicht der Diffamierung des Gegners – egal auf welche Art.

Während Gesänge gegen den Verein für einige scheinbar zum guten Ton des selbst definierten „Ultra-Lebens“ gehören, kommen auch noch die Angriffe auf Personen oder deren Angehörige dazu. Leider auch nichts neues. Früher flogen auch schon mal Bananen ins Feld, wenn ein Spieler mit Herkunft Afrika das Spielfeld betrat. Auch Diffamierungen rassistischer/politischer/geschlechtsorienterter Art gab und gibt es immer wieder. Und das in Zeiten der Globalisierung.

Falsch verstandenes Ultra-Gehabe
Die Ultras sind mittlerweile auch zu einem Geschäftsmodell geworden. Diese Bewegung unterliegt der Kommerzialisierung und ist mittlerweile für viele Firmen ein Riesengeschäft. Es gibt mittlerweile zig Shops, die mit den Ultras gutes Geld verdienen. Aber das ist auch legitim. Ein Ultra definiert sich zumindest laut Wikipedia ursprünglich wiefolgt:

Bei Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein „immer und überall bestmöglich zu unterstützen“. Neben der akustischen Unterstützung, die sehr häufig von einem sogenannten Capo (von italienisch il capo für Haupt oder Anführer) mittels Megaphon koordiniert und durch Trommeln begleitet wird, legen Ultras auch viel Wert auf optische Hilfsmittel, Konfettiregen, bengalische Feuer und Fahnenmeere. Außerdem kreieren, finanzieren und organisieren die Ultras farbige Choreographien. Bei diesen Choreographien bereiten die Ultras Materialien vor, die zu Spielbeginn an alle Zuschauer (auch Nicht-Ultras) eines Stadionbereiches ausgegeben werden und die durch gleichzeitiges Hochhalten z. B. ein großflächiges Vereinswappen ergeben. Oft werden auch Überrollfahnen oder Wurfrollen verwendet.

Und so sehe ich die Ultrabewegung eigentlich auch. Dennoch finde ich in der Definition der Ultras nirgendwo, dass es auf einmal „Lebenssinn“ ist, andere Spieler – mehr wie unter der Gürtlellinie – zu diffamieren. Und neuerdings brauchen ja sogar schon Spieler anderer Mannschaften ab und an Polzeischutz, um zum Mannschaftsbus zu gelangen.

Entschuldigung, wie abartig ist das? Leute, da geht es um die schönste Nebensache der Welt! Fußball! Das ist kein Kriegsgebiet im Sinne des Wortes! 

Die Saison 2011/12 ist mittlerweile Geschichte, die neue steht vor der Tür. Ich würde mir von der Saison 2012/13 – egal ob in Bundesliga, Cup oder internationaler Liga – von den Fans aller Mannschaften (ja, auch unserer) wünschen, dass ich in den kommenden Monaten SUPPORT für die eigene Elf – in welcher Form auch immer – höre/sehe/spüre! Verbalattacken persönlicher Natur im Stadion, auf Facebook, wo auch immer, haben in unserer Zeit eigentlich nichts verloren. Egal ob es ein Ex-Kicker, ein Nicht-Österreicher (eben ständig von rassistischen Auswüchsen betroffene Spieler) oder ein Homosexueller (oder was weiss ich noch, was es für Gründe gäben könnte) ist, der da den Rasen betritt. Er ist Mensch wie du und ich. Und das sollte man nie vergessen!

Kategorien
Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
8 Anzahl der Kommentare
  • Christian Steiner
    26 Juli 2012 at 15:17
    Leave a Reply

    so kann es klingen wenn mann seinen Unmut auf Papier freien Lauf lässt….absolut gelungen und genial geschrieben….

  • Nina Wolf
    26 Juli 2012 at 8:02
    Leave a Reply

    einer der besten artikel die je gelesen habe !!!! hut auf !!!! nö – DER BESTE !!! gratuliere! weiter so !!!!

  • Andreas Munk
    25 Mai 2012 at 7:53
    Leave a Reply

    100% meine Meinung! Sehr gut geschriebener Artikel – mehr support FÜR die eigene Mannschaft als GEGEN das andere Team. Ewig wird mir in Erinnerung bleiben, wie bei der Meisterfeier die Admira Fans neben uns mitgefeiert und -gesungen haben.

  • Roland Knall
    25 Mai 2012 at 7:33
    Leave a Reply

    Ich fand die Durchsage gegen SV Ried (sowohl daheim als auch im Happel) gut, dass die Fans die Kommentare zu unterlassen haben. Da ging es zwar meiner Meinung nach nicht wirklich böse zu, aber es zeigt, dass es hier mit RBS eben einen Verein gibt, der sich aktiv dagegen stemmt. Müsste noch viel mehr kommen.

  • Marijan Kelava
    25 Mai 2012 at 7:22
    Leave a Reply

    Das Problem ist, dass das kein Verein unterbindet. Man hat offenbar kein Interesse daran Fussballkultur reinzubringen und im Sinne des Sports hier etwas zu unternehmen.

    Siehe Platzsturm in Wien. Was ist seit damals passiert? Der Hauptverantwortliche Fanbetreuer sitzt noch immer Sattelfest auf seinem Thron, klopft weiterhin seine Marketingsprüche und tut so alsob nichts passiert wäre. Das ist einfach nur traurig und zum Kopf schütteln.

    • Alex Januschewsky
      25 Mai 2012 at 7:25
      Leave a Reply

      Wobei der Platzsturm nur als exemplarisches Beispiel zu sehen ist. Solche Vorfälle gab es de facto schon überall. Und das find ich abartig – das hat mit Fußball nicht wirklich viel zu tun.

    • Marijan Kelava
      25 Mai 2012 at 7:46
      Leave a Reply

      Klar, war als Paradebeispiel als Höhepunkt jahrelanger misslungener Fanpolitik gedacht.

    Deine Meinung zu diesem Beitrag?

    UNTERSTÜTZE UNS
    Mit einer Spende für unsere Webseite - egal in welcher Höhe - unterstützt ihr den Fortbestand der Seite! Vielen Dank vorab für eure Unterstützung!

    SUCHE
    WIR SIND PARTNER

    krebshilfe-salzburg

    Meisterschaftsfinale28. Mai 2017
    Noch 15 Stunden.
    WERBUNG
    Werbung: wettbasis.com

    hochzeitseinladungen.de

    MyCardShop - Karten, die Geschichte schreiben

    Hochzeitseinladungen und Anlasskarten vom Designer

    DATENSCHUTZ

    Diese Webseite ist durch ein Zertifikat gesichert. Sämtliche gesendete Daten sind mit bis zu 256 Bit per SSL verschlüsselt.

    Comodo Secured SSL

    Erfahrungen & Bewertungen zu SALZBURG12.at