Der Tod der Printmedien

Web 2.0, Smartphones und Tablets sind der Tod der Printmedien. Im Fußball und anderswo. Vielleicht heute schon....
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Heute geht’s mal nicht um Fußball. Na vielleicht doch, denn ich werde mir als exemplarisches Beispiel eines der jüngsten Fußballvergangenheit nehmen. Wie einige wissen, bin ich im Zivilberuf in der Werbung tätig. Grafik, Design, Layout, Druck. Mein tägliches Geschäft. Ebenso darf ich mich als Vorreiter im Bereich der digitalen Medien und sozialen Netzwerke bezeichnen. Schon vor vielen Jahren, als die heutige „Generation Web 2.0“ noch im Kindergarten oder noch gar nicht geboren war, tummelte ich mich via Akustikkoppler in von Usern geschaffenen „virtuellen Räumen“, die dann später auch zu Projekten wie die Blackbox mutierten. Und ich war auf Facebook, Twitter und Co. schon aktiv, als das bei uns in Österreich noch kaum jemand kannte. Damals gehörte zum täglichen Ablauf auch die tägliche Zeitung, sowie das monatliche Sport- und Computermagazin. Schnee von gestern?

Printmedien haben immer noch einen hohen Stellenwert. Zumindest in den Augen den Printmedien, gerade wenn ich mir die Inseratenpreise der österreichischen Blätter so ansehe. Aber auch irgendwie verständlich, da die Herstellung einer Zeitung – natürlich auch von Magazinen – eine Menge Geld kostet. Zeitungen haben zwei Messlatten: zum einen „verkaufte Exemplare“ und die sogenannte „Reichweite“, also die Kalkulation, wieviele Leute ein gekauftes Exemplar lesen. Und abermals – rein exemplarisch, aber mit durchaus realen Zahlen – nehm ich mir den von mir jetzt konstruierten „Tagesboten“ her, der rund 90.000 verkaufte Exemplare mit einer Reichweite von rund 250.000 Lesern angibt. Klingt sauber oder?

Vom Leser zum „klick-gesteuerten Menschen“
250.000 Leser! Satt! Dennoch hat unser „Tagesbote“ ein Problem. Obwohl er täglich erscheint, ist er nicht aktuell. Kommt eine „brandheisse Neuigkeit“ um 6.00 Uhr früh in die Redaktion, kann sie erst am nächsten Morgen dem Leser vermittelt werden. Früher war das ja Usus, dass man erst beim Frühstückskaffee die Neuigkeiten bekam und dann darüber im Büro oder beim Supermarkt mit anderen Leuten darüber reden konnte. Doch heute? News kommen per Ticker oder E-Mail. Eine Redaktion muss nicht mehr unbedingt zum Ort des Geschehens fahren, um einen Artikel zu schreiben. Man bekommt ihn quasi „geliefert“. Dann noch bei den jeweiligen Fotografen nachgefragt oder vielleicht einen „Dummy“ aus der Datenbank einer Bildagentur genommen – fertig war die Geschichte. Ich rede wohlgemerkt von täglichen Neuigkeiten und nicht von Hintergrundgeschichten. Dennoch – trotz aller „Bequemlichkeiten“ im Vergleich zu früher – ist die News von 6.00 Uhr früh am nächsten Tag alt. Web 2.0 sei Dank! Heute publizieren Onlineredaktionen, Webseiten, Blogs usw. mit dem Drücken der Enter-Taste in Sekunden. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter verbreiten die Neuigkeiten – zum Teil automatisiert, wie bei salzburg12.at auch – in Sekundenbruchteilen. Einmal dort publiziert, landen sie direkt bei Zielgruppe dieser Neuigkeit. Mächtiger Vorteil im Vergleich zur Tageszeitung, deren Inhalte ja „breit gestreut“ angelegt werden müssen, um ja viele unterschiedliche Leserschichten zu erreichen. Ein „Klick“ und ich hab die Neuigkeit, die ich lesen will.

Klicken, liken, sharen
Ich sprach vorher von der Reichweite von Zeitungen. 250.000 Leser unseres „Tagesboten“ klingen viel (und da hab ich mir nicht mal die Zahlen des Marktführers herausgesucht). Im Onlinebereich ist diese Zahl oft „lächerlich“. Warum? Na dann packen wir mal den Rechenschieber aus.

Webseite XYZ veröffentlicht einen Artikel. Nachdem bei guten Webseiten immer die Möglichkeit eines „Abos von Neuigkeiten“ einbauen sollte (hat salzburg12.at übrigens auch), erfahren die Abo-Besitzer der Webseite – je nach Einstellung – über diese News gleich per E-Mail. Andererseits wird der Artikel auch gleich getwittert. Und natürlich mit diversen Diensten wie z.B. RSS auf Facebook und Co. gestellt. Und jetzt nahm ich mal ganz kleine Zahlen als Beispiel:

E-Mail Abos: 50
Twitter-Follower: 150
Eigene Facebook-Freunde: 300
Fans der Webseite auf Facebook: 500

Macht in Summe 1.000 Leute, die diese Nachricht (wohlgemerkt, ich rede nur von EINER Nachricht und nicht einer ganzen Zeitung) angezeigt bekommen. Und jetzt setzt der „Web 2.0 Schneeball“ ein. 100 deiner Twitter-Follower „retweeten“ wiederum an deren Follower. 150 der eigenen Facebook Freunde gefällt der Artikel und 50 andere teilen ihn. Auf der Webseite-Fanpage bei Facebook gefällt der Artikel 200 Leuten und 100 andere teilen ihn. Facebook-User wissen, dass sowohl ein „gefällt mir“, als auch das „teilen“ in der eigenen Timeline angezeigt wird. Damit wären wir schon bei 1.600 Lesern des Artikels. Und wenn wir nun noch einrechnen würden, dass sich dieses Schneeball-Prinzip ja weiter fortsetzt, da ja ein gewisser Prozentsatz der Leute wieder retweeten, liken und sharen (also „gefällt mir“ und „teilen“ drücken) und deren Freunde dann wieder und wieder, dann kommen wir schnell auf beachtliche Zahlen – sehr beachtliche Zahlen, auf die die Printmedien ganz neidisch sind. Denn es handelt sich nur um einen Artikel! Und der kommt auch noch kostenlos! Und er interessiert mich auch noch (sonst hätte ich ihn mir ja nicht ausgesucht und angeklickt).

Eine Zeitung hat man in der Hand!
Oh wie oft hab ich das nicht von den Verfechtern der Printmedien gehört! Beim „Konsum“ einer Zeitung sitzt man gemütlich am Tisch, trinkt Kaffee oder Bier, ist ganz vertieft. Ein ganz anderes „Feeling“, als vor einem Computer zu sitzen und Nachrichten zu lesen. Ja stimmt schon, das hat schon was. Doch da hat die Computer-Industrie „Abhilfe“ geschaffen. Smartphones und Tablets sind die Namen der Zeitungskiller. Durch die immer populärer werdenden elektronischen Geräte aus den Häusern HTC, Apple, Samsung, Sony und Co. ist die „Zeitung“ mobiler und aktueller geworden. Diesen Umstand haben auch Presse, Kurier, Krone, Salzburger Nachrichten usw. akzeptieren müssen und haben Online-Ableger ihrer Printmedien geschaffen. Ebenso die Monatmagazine, oftmals verpackt mit sehr ansehnlichen multimedialen Inhalten. Aber auch die Webseiten haben darauf reagiert. Da es diese Geräte ja von 4 bis knapp 11 Zoll Displaygröße gibt, passen gute Webseiten ihr Erscheinungsbild an das jeweilige Gerät an und bieten somit ein dem Gerät angepasstes „Feeling“.

salzburg12.at am iPad

Auf Smartphones reduziert man das Erscheinungsbild dann nochmal, damit so wenig Daten wie möglich über den Äther transportiert werden müssen und die Inhalte noch schneller abrufbar sind.

Ein besonderes Thema, mit dem ich gerade „experimentiere“ sind die „Rich Media Magazine“, die via Digital Publishing erstellt werden und auch den Tablets mit Apple’s iOS und Google’s Android landen. Da werden dann Filme, Animationen und mehr ins die digitale Zeitung importiert und geben dem Leser ein unvergessliches Erlebnis in diesem Magazin zu schmökern. Boah, Printmagazine sind ja sowas von „oldschool“ *g*

Ein sehr schönes Beispiel ist das kostenlose „Red Bulletin“ für das iPad. Sorry, aber da stinkt die Printausgabe – obwohl diese mehr wie ansprechend gelayoutet wurde – aber sowas von ab! Aber es gibt auch andere – schlechte – Beispiele. Der iPad-Auftritt der größten österreichischen Tageszeitung „Krone“ ist ein solches Beispiel – kommt zwar zweimal am Tag, ist aber grausam und hässlich. Besser machen es da schon die Salzburger Nachrichten. Nicht optimal, aber besser.

Aber das sind eben nur digitale Ableger der Printversionen. Aktueller zweifelsohne. Dennoch „bewegen“ Webseiten und Blogs wesentlich schneller, effektiver und zielgruppenorientierter ihre Neuigkeiten an Mann und Frau. Das wird sich auf Dauer nicht ändern – im Gegenteil, es wird ausgebaut werden.

Und jetzt pack ich noch das oben angesprochene Fußball-Beispiel aus, das gestern das Web 2.0 so richtig „gerockt“ hat: die Verpflichtung von Jonathan Soriano.  Die heutigen Tageszeitungen berichten von der Verpflichtung, die für den eingefleischten Fan bereits ein alter Hut ist. Der eingefleischte Fan hat bereits gestern nicht nur über die Verpflichtung erfahren, sondern (zB. bei salzburg12.at) auch schon ein Spielerprofil mit seiner Vergangenheit präsentiert bekommen und alles an Videos gesehen, was im Netz so zu finden war. Das ganze wurde in wenigen Stunden im Internet bereits tausendfach gelesen. Der Interessent ist bereits voll informiert. Und da kommen die Zeitungen heute erst mit der Transfermeldung daher? Langweilig. Braucht keiner mehr. Und da diese ganze „digitale Geschichte“ eher noch stärker kommt, zünde ich bereits heute die erste virtuelle Kerze am Grab der Printmedien an und überleg mir nahezu gleichzeitig, mit welcher Story ich in der nächsten Zeit wieder tausende Leser dazu bewegen kann, zu twittern, zu liken und zu sharen

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Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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