Von 0 auf 100 und zurück

Rapid 4 RBS 2 | die Salzburg12.at-Analyse der Bullen-Krise...
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„Von 0 auf 100 und zurück“, so in etwa lässt sich die bisherige Ära des Ricardo Moniz als Cheftrainer von Red Bull Salzburg zusammenfassen. Nach schrecklich lethargischem Ergebnisfußball mit ironischerweise meist schlechtem Endergebnis unter Huub Stevens schaffte es Moniz recht rasch die Mannschaft von ihren sprichwörtlichen Fesseln zu lösen. Erst wurde fast noch der Meistertitel geholt, Monate später beinahe Atlethic Bilbao geschlagen.

Doch dann ging es schlagartig bergab – eingeläutet durch eine absolut unnötige Niederlage in der Südstadt, legte man in der Bundesliga einen regelrechten Negativlauf hin. Dieser fand am Wochenende gegen den SK Rapid Wien seinen „Höhepunkt“. Salzburg12.at’s vorsichtiger Versuch einer Analyse und Ursachenforschung:

Eingangs ein paar Worte zur taktisch-personellen Komponente des sonntägigen Schlagers. Rapid spielte wie schon im Derby 4-2-3-1, mit Freigeist Steffen Hofmann hinter Solo-Spitze Burgstaller. Die Innenverteidigung bildeten Sonnleitner und Patocka – beide derartig unsicher dass die beiden vereint die Wahrscheinlichkeit einer Rapid-Niederlage in ungeahnte Höhen steigen lassen. Allein, man muss sie fordern, ständig beschäftigen.

Salzburg – angetreten diesmal, zum übrigens ersten Mal unter Moniz, im 4-2-1-3-System – gelang dies jedoch keineswegs. Roman Wallner war vorne auf verlorenem Posten, hatte praktisch keine Unterstützung aus dem Mittelfeld, geschweige denn von irgendeinem der vier Flügelspieler. Das Personal dazu wäre grundsätzlich definitv da gewesen – Leonardo, Svento, Zarate, Hierländer, alles Spieler die Zug zum Tor entwickeln können. Können.

Diese Elf war gegen Rapid 45 Minuten chancenlos.

Diese Elf war gegen Rapid 45 Minuten chancenlos.

Warum aber brachten sie ihr ungeheures Potential abermals nicht rüber?

Krisenursache #1: Nicht vorhandene Ballsicherheit

Zum einen sicher deshalb weil das kollektive Zusammenspiel einfach absolut nicht funktioniert. Kaum praktiziert der Gegner auch nur den Hauch von Pressing, sind die Bullen momentan schlicht unfähig den Ball in ihren Reihen zu halten. So kommt es dass manche Schlüsselfiguren, so wie etwa Dusan Svento – von Moniz vermutlich angedacht als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff – den Ball nur aus der Ferne zu Gesicht bekommen und machtlos das Spiel an sich vorübergehen sehen. Selbiges gilt für Stefan Hierländer, der seine Offensivstärke natürlich nur dann zeigen kann wenn seine Mannschaft über mehrere Stationen kombiniert, und wie bereits erwähnt logischerweise auch für Roman Wallner.

Hier muss Moniz ansetzen, das muss er dem Team beibringen: Nicht von konkreten Spielzügen ist hier die Rede, sondern einzig und allein davon dass die Mannschaft auch unter Druck mit dem Spielgerät umzugehen weiß. Egal ob dazu nun taktische, personelle oder sonstige Änderungen notwendig sind.

Krisenursache #2: Verstärkungen die keine sind

Definitiv auch beteiligt an der momentanen Krise im Bullenstall sind gewisse Fehler in der Kaderplanung. So hätte man heute sicherlich weniger Probleme, wäre der Soriano-Transfer nicht in letzter Sekunde von Moniz selbst verhindert worden. In der Abwehr hätte man ohne Pasanen eine Sorge weniger und auch Lindgren würde nicht wirklich abgehen. Und auch hier muss ich den sympathischen Niederländer kritisieren, denn auch die Verpflichtung der beiden Skandinavier dürften wir großteils Ricardo Moniz zu verdanken haben.

Krisenursache #3: Verletzungspech

Auch wenn sie einem als Trainer oder Anhänger sehr gern als Ausreden ausgelegt werden, spielen zusätzlich auch die vielen Verletzungen eine sehr wesentliche Rolle bei der aktuellen Misere. Wetten, dass ohne chronischer Schambeinentzündung von David Mendes da Silva das Mittelfeld wochenlang eine ganz andere Dominanz an den Tag gelegt hätte? Wetten, dass die Mannschaft ohne die Kreuzbandrisse von Alan und Douglas da Silva an allen Ecken und Enden besser auftreten würde? Wetten, dass…? Man könnte die Liste noch sehr viel weiter spinnen.

Natürlich muss es der Anspruch von Red Bull Salzburg sein, einen Kader zu haben der Ausfälle schnell vergessen machen kann, doch die mangelhafte Kaderplanung vergangener Transferperioden gepaart mit dem unglaublichen Verletzungspech der letzten Monate lässt diesen Anspruch eben momentan einfach nicht ansatzweise Wirklichkeit werden.

Krisenursache #4: Die Krise im Kopf

Zu guter letzt noch zum psychischen Faktor hinter der Krise. Am Wochenende war den Spielern ganz deutlich anzusehen wie schlecht es um ihr Selbstvertrauen bestellt ist: Abgesehen von Leonardo, der wie immer mit dem Kopf durch die Wand wollte, wagte kaum jemand eine Einzelaktion. Stattdessen schob man immerzu dem Nebenmann die Verantwortung, der dann wiederum genau dasselbe tat. Ein Teufelskreis der einige Male (siehe bspw. das 1:3, Anm.) zu tödlichen Ballverlusten im Mittelfeld führte.

Der große Nachteil an mangelndem Selbstvertrauen: Nur durch Erfolgserlebnisse kann man es loswerden. Der Vorteil: Ein einziges Erfolgserlebnis genügt. Gelegenheit sich ein solches zu holen haben die Roten Bullen schon am kommenden Wochenende – ausgerechnet gegen die ebensfalls arg gebeutelten Kapfenberger!

Zusammenfassend

Wer ernsthaft glaubt, Moniz ist nicht der ideale Mann für den Posten des Red Bull Salzburg-Cheftrainers, der möge seine herausragenden TV-Interviews Revue passieren lassen, der möge sich an die Zeit erinnern als Salzburg unter ihm noch „auf 100“ war, der möge seine Kommentare in der Sportwoche der ersten Novemberwoche lesen – der Mann hat definitiv Herz, Verstand und Ahnung vom Fußball.

Wer ernsthaft glaubt, die vorhandenen Spieler haben nicht die Qualität, nicht den Kampfgeist oder was-weiß-ich-nicht das Ruder rumzureißen, der denke nochmal ernsthaft nach, der denke an die vergangenen Erfolge von eben genau diesen Spielern.

Dennoch wird die Aufholjagd garantiert ein sehr sehr schwieriges Unterfangen, einfach weil man spielerisch quasi wieder bei 0 angelangt ist. Doch wer, wenn nicht der so akribisch-analytische Ricardo Moniz, sollte in der Lage sein diese schon in naher Zukunft einzuleiten…

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FC Red Bull Salzburg
Dominik Seitlhuber

19-jähriger Taktikfanatiker aus Niederösterreich. :)
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