Fremdschämen…

...muss sich heutzutage der treue Zuschauer des FC Red Bull Salzburg. ...
Stefan Maierhofer
Maierhofer und der Verein im Clinch
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…muss sich heutzutage der treue Zuschauer und Fan des FC Red Bull Salzburg. Also auch ich: 

Scham kann auch durch Verfehlungen oder empfundene Unzulänglichkeit (Peinlichkeit) anderer ausgelöst werden, die einem gemeinschaftlich verbunden sind. Hierfür ist mitunter der Neologismus Fremdschämen gebräuchlich, der 2009 in den Duden aufgenommen und 2010 in Österreich zum Wort des Jahres gekürt wurde. *

Seit der 8. Runde der laufenden Bundesligasaison am 18.9.2011 (3:0 gegen Wr. Neustadt) gelang den Salzburgern kein Sieg mehr.  Seit dem hagelte es Unentschieden und Niederlagen. Der „krönende“ Abschluss, war das letzte Spiel gegen den „Abstiegskandidaten mit Ansage“ SV Mattersburg im Pappelstadion. Stimmungstiefpunkt allerorts.

Da fragt man sich, was in der Mannschaft vorgegangen ist. Vieles, nur sicherlich keine Heiterkeit. Verluste demotivieren immer. Kennt doch jeder aus seinem eigenen privaten und beruflichen Leben. Der Mensch braucht Motivation, um aus den tiefen Tälern, in die man durch Rückschläge gestossen wird, herauszukommen. Oder man braucht die „Schulterklopfer“, die einen mit mehr oder minder psychologisch wertvollen Sprüchen auf die Beine helfen. Doch daran mangelt es, wenn man sich die diversen bekannten sozialen Medien genauer betrachtet.

Kopfschüttelnd die Tribüne verlassen
Wenn man den Berichten von Zuschauern gegen Mattersburg trauen darf, dann war der „Kick“ gegen Mattersburg sogar dem Sportdirektor zu viel. Heinz Hochhauser verlies Augenzeugen zu Folge in der 70. Minute kopfschüttelnd die VIP-Tribüne im Pappelstadion. Aber auch er steht in der massiven Fankritik. Die Spielerverpflichtungen der aktuellen Saison stoßen nicht überall auf Verständnis, viele Neuerwerbungen bringen nach Meinung der Fans wenig bis gar nichts.

Herbe Kritik an den Spielern
Natürlich gab es auch gleich die ersten Facebook-Umfragen, die sich mit der aktuellen Situation beschäftigen. Wer ist Schuld? Spieler? Trainer? Beide? Eine überwältigende Mehrheit gibt ausschließlich den Spielern Schuld an der derzeitigen Situation. Mangelnder Wille, fehlender Kampfgeist, aber auch technisches Unvermögen sind als Hauptkritikpunkte zu hören. 

Erzürnte Fanszene
Die Fanszene ist nicht nur „sauer“, sondern auch zweigeteilt. Es kristallisieren sich zwei Gruppen heraus. Da hätten wir den „Gloryhunter“. In Salzburg genau so präsent, wie in anderen Teilen Österreichs. Also derjenige, der ins Stadion läuft, wenn eine Top-Mannschaft einer europäischen Liga zu Gast ist oder die Spieler gerade einen „Lauf“ haben. Von denen las man gestern und heute Aussagen wir z.B.:

Ihr spielt so schlecht! Das kann man sich nimmer anschauen! Ich bin jetzt nimmer euer Fan, sondern werde Fan von XYZ!

„Baba und foi ned!“. Bist schon vergessen! Solche Leute wie dich, braucht kein Fußballverein.

Die Vertreter der Gruppe Nr. 2 sind dann die „echten“ Fans, die sich aber auch in zwei Lager spalten. Während die einen ständig und gebetsmühlenartig versuchen die Jungs zu motivieren, permanent in die Stadien pilgern – dabei Regen, Schnee und frostigen Temperaturen trotzen – sich die Seele aus dem Hals schreien und das Letzte für die Mannschaft geben, sind es die leider immer mehr werdenden „Fans“, die die Nase nun so richtig voll haben. Und „Konsequenzen“ androhen. Stimmungsboykott, Spruchbandaktionen etc. werden zumindest andiskutiert – ob diese dann umgesetzt werden, ist ein anderes paar Schuhe. Man darf also gespannt sein, was da folgen wird. Eigentlich würde ich persönlich auf solche Aktionen gerne verzichten.

Ich persönlich würde mich in die Kategorie der“ gebetsmühlenartigen Prediger“ einstufen. Ich habe mit den Salzburgern in den vergangenen 36 Jahren schon viel zu viel miterlebt, als dass mich die derzeitige Situation zur Weißglut treiben würde. Obwohl die Situation aktuell schon „hart“ ist. Wenn man (alleine heute) bereits dreimal von „Fremden“ (die mich auf Grund der „Ausstattung“ meines Autos mit Vereinskleber, Wimpel,.. oder im Büro, wo Mannschaftsplakate, Schals usw. hängen, spielend als eingefleischten Salzburg-Fan identifizieren können) aber sowas von „schräg“ angesprochen wird, dann ist das schon „starker Tobak“. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass nicht mehr viele so denken bzw. so fanatisch sind wie ich. Aber das war in Salzburg leider schon immer so. Ob in Lehen oder nun in Wals-Siezenheim.

Das Wichtigste ist der Zusammenhalt! Der Zusammenhalt im Verein, aber auch unter den Fans! Nachdem man „Herz und Seele“ leider schwer trainieren lassen kann, gilt der heutige Apell aber auch den Spielern, sich zu besinnen und die Lustlosigkeit, die man in den Spielen der Bundesliga zuletzt gesehen hat, gefälligst in der Kabine zu lassen! Dann überstehen wir gemeinsam auch diese Krise! 

Und ein bisserl „Fremdschämen“ tu ich mich heute auch in Sachen „Cup“. Salzburg gegen Salzburg? Ahja. Für wen schrei‘ ich denn da nun? Da braucht sich keiner mehr wundern, warum der Cup in Österreich so attraktiv ist, wie der Hintertupfinger Kirchtag. Denkt doch mal nach liebe Leute vom ÖFB, wie ihr das „besser“ hinbekommt. Ihr habt da nichts dazu gelernt…

* Quelle: Wikipedia 

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
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