Ein Urteil mit Fragen

Das Verfahren wegen Rassismus-Vorwürfen gegen den Wacker Innsbruck Spieler Inaki Bea wurde eingestellt....
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Der Senat 1 der Österreichischen Bundesliga hat gesprochen. Das Verfahren wegen Rassismus-Vorwürfen gegen den Wacker Innsbruck Spieler Inaki Bea wurde eingestellt. Der Vorsitzende Dr. Manfred Lucensky stellte fest: 

“Die vorliegenden Unterlagen und Aussagen legen offen, dass Begriffe verwendet wurden, die durchaus missverstanden werden können, wenn der Gesprächspartner Spanisch nicht als Muttersprache hat. Dies wurde auch seitens des beigezogenen gerichtlich beeideten Dolmetschers bestätigt.“

Nachzulesen hier. Also ein „sprachliches“ Problem. Man muss also Spanisch als Muttersprache haben, damit man die Äußerungen versteht, dass Bea niemanden beleidigen wollte.

Damit steht Ibrahim Sekagya nach seinen Vorwürfen ziemlich verlassen da. Das wirft natürlich Fragen auf. Fragen, die bis jetzt scheinbar noch niemand gestellt. hat.

Frage Nr. 1: Hat Sekagya den Innsbruck Kicker falsch verstanden?
Schwer zu glauben. Denn Ibrahim Sekagya spricht Spanisch. Von 2001-2007 spielte unser Verteidiger in Argentinien. Ein Land, welches bekanntermaßen Spanisch als Amtssprache hat. Ohne Spanisch zu sprechen, hätte er sich wohl dort kaum zu recht gefunden. 

Frage Nr. 2: Warum „verwischt“ Bea seine Spuren?
Der baskische Kicker Inaki Bea ist leidenschaftlicher „Web 2.0 User“. Er twittert und bloggt. Sein ursprünglicher Tweet, wo er sich massiv aufregt, dass Sekagya lügt wurde gelöscht. Womit Bea nicht rechnete: salzburg12.at hat damals schon einen Screenshot gemacht:

Zur Erklärung, warum Bea hier Facebook erwähnt: Viele Medien haben unsere Story damals als Aufhänger genommen. Laola1, sportnet.at, Kurier und 90 Minuten haben richtig zitiert. Die Krone nicht. Und letztere argwöhnten, dass Sekagya in unserem Interview eigentlich nur eine Entschuldigung wollte.

Unter meinem Twitter-Account @rbsfans hab ich Inaki Bea aufgeklärt, dass Sekagya ihn gar nicht namentlich genannt hat. Warum also die Aufregung:

So weit so gut. Oder doch nicht? Wenige Tage machte Inaki Bea auf einem spanischen Blog, wo er ab und an schreibt, auf sich aufmerksam und erklärte neben anderen Dingen die Sache mit Sekagya. Es ging nämlich gar nicht um Sekagya, sondern um Leonardo. Und auf dieser Blogseite stand (deswegen „stand“, weil der Blogeintrag komischerweise auch gelöscht wurde) unter anderem folgendes:

 ’negro, déjate de historias y juega al futbol, tanto tirarte‘.

Nachdem unser Spanisch als „eingerostet“ bezeichnet werden darf, wandten wir uns an Professionisten der Sprache, die folgendes übersetzten:

„Schwarzer, mach kein Theater, spiele lieber Fußball“

Wobei das Wort „negro“, je nach Betonung, einen „ziemlich schlimmen Touch“ bekommen kann. Aber das hat Bea ja auch „nie gesagt“, denn wenig später gab Bea ein Interview mit der Tiroler Tageszeitung, da redete er von „negrito“, was keine Spekulationen mehr überlässt. 

(c) GEPA Pictures

Darum fragen wir uns: wenn doch alles nicht so schlimm und eher „kumpelhaft“ gemeint war, warum löscht Inaki Bea alle seine Onlineaktivitäten zu diesem Thema? Ein Mann, ein Wort. Oder nicht?

Frage Nr. 3: Und was kommt jetzt?
Wir leben ohnedies schon in einem Land, wo rassistische Sprüche leider an der Tagesordnung sind. Auch im Fußball, wobei hier ein grober Unterschied zu den normalen Provokationen in diesem Sport besteht. Ein „Ich weiß, wo deine Freundin heut Nacht schläft“ brachte schon den einen oder anderen Gegenspieler zum Ausrasten. Angriffe gegen die Hautfarbe, die Religion oder die Herkunft könnten wohl in Zukunft durch dieses Urteil wieder „salonfähig“ sein. Eine Aussage, ein Dolmetscher bzw. Sachverständiger und das Löschen eigener Statements aus dem Internet garantieren Straffreiheit. 

Frage Nr. 4: Was bleibt?
Es bleibt ein bestrafter Sekagya. Der Buhmann. Der Mann, der alles missverstanden hat. Der Mann, der einen anderen „insultiert“ hat. Ein Mann, der (nun grundlos) ausgerastet ist. Und ein Mann, den es scheinbar gar nicht betroffen hat, da Bea ja Leonardo gemeint hat.

Eine Verbalinjurie lässt sich schwerlich beweisen. Das Resultat daraus schon. Das konnten die Kameras einfangen. Stellt sich eigentlich jemand die Frage, warum Sekagya – scheinbar völlig grundlos – ausrastet?

Gebt dem Rassismus keine Chance!
Egal ob auf den Tribünen, dem Spielfeld oder im täglichen Leben. Rassismus darf keinen Platz in unserer Welt haben! Setzen wir alle ein Zeichen, dass wir DAS (zumindest in den Stadien) nicht haben wollen. Eine gute Gelegenheit für die österreichischen Fußballfans wäre die Aktionswoche der FARE (Football against racism in Europe) von 12. – 25. Oktober 2011. Ich selber werde die Fanclubs der Salzburger bei der Obmännerversammlung am 10.8.2011 ermutigen mitzumachen. Und wenn die Leser und Fans anderer österreichischer Mannschaften hier mitziehen würden, wäre das zumindest ein Zeichen. Ein Zeichen, dass wir „unseren“ Kickern schuldig sind. Dazu rufe ich jeden Fußballfan auf.

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Die 3. Halbzeit
Alex Januschewsky

Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Ebenso ist er Mitglied von Sports Media Austria, der Vereinigung österreichischer Sportjournalisten.
7 Anzahl der Kommentare
  • BNH
    10 August 2011 at 1:40
    Leave a Reply

    Des Salzburgen seits doch alle it ganz sauber!!

    • salzburg12.at
      10 August 2011 at 6:19
      Leave a Reply

      Auch schön Grüße ins heilige Land! 🙂

  • Guter Mensch
    9 August 2011 at 23:35
    Leave a Reply

    Vielleicht ist der 16er doch ein Ponyhof

  • Stefan
    9 August 2011 at 20:00
    Leave a Reply

    Tolle Täter-Opfer-Umkehr: Da wiegt das kumpelhafte "Negrito" auf einmal schwerer, als die Tätlichkeit von Sekagya.

    • salzburg12.at
      10 August 2011 at 6:18
      Leave a Reply

      Für die Tätlichkeit ist Sekagya gerechterweise bestraft worden und dazu braucht man nichts mehr zu sagen. Das haben wir auch nie geschrieben, dass der "Schlag" unbestraft bleiben soll. "Kumpelhaft" würd ich gelten lassen, wenn die Beiden "Kumpel" wären. Sind sie aber nicht. So wurde ein "Täter" bestraft, der andere nicht.

  • Alex Januschewsky
    9 August 2011 at 10:55
    Leave a Reply

    Danke Christoph! Das ehrt mich wirklich!

  • Christoph Luke
    9 August 2011 at 10:53
    Leave a Reply

    Die Rache der Journalisten ist das Archiv – oder in diesem Fall das Social Web.

    Fünf Sterne für diesen Beitrag!

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