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8 Tore, die Fragen aufwerfen

8 Tore, die Fragen aufwerfen

Die “Mission Europa” hat sich gestern nun auch für den letzten österreichischen Verein in einem internationalen Bewerb endgültig erledigt. Red Bull Salzburg verliert, trotz teilweiser Steigerung, bei der Oligarchentruppe Metalist Kharkiv mit 4:1 in der Ukraine. Und es waren insgesamt 8 Treffer, die allesamt Fragen aufwerfen. Fragen bei den Fans, Fragen bei der Mannschaft. Die “einschlägigen Medien” werden sich nicht fragen, denn nun kann man wieder vernichtende Headlines in 72 Punkt Größe und im Fettdruck schreiben, um seinem “Lieblingssport” nachzugehen. der Negativberichterstattung über den auserkorenen Klassenfeind aus Salzburg. Sei es, wie es sein.

Das Spiel gestern zu analysieren oder explizit einen detaillierten Bericht abzuliefern, erspare ich unserem geschätzten Leser. 8 Treffer sprechen eine zu deutliche Sprache. Man muss nichts schön reden. Die Mannschaft zeigte sich in der Ukraine durchaus spielfreudig – kein Vergleich zum Hinspiel in Salzburg. Und abermals war es der blutjunge Kapitän Martin Hinteregger, der überzeugen konnte und der – trotz eines unglücklichen Eigentors – wohl der beste Spieler der Salzburger am Platz war. Trotz deutlich verbesserter Einstellung, wurden die Salzburger – deren Spiel bis zum Eigentor durchaus als “ansprechend” bezeichnet werden kann, von den Ukrainern vorgeführt. Endergbnis: 4:1 bei einem Gesamtscore von 8:1 – da braucht es keinen Spielbericht.

Doch wie kann es überhaupt soweit kommen, dass ein österreichischer Top-Klub international so – man verzeihe mir den Ausdruck – “abgewatscht” wird? Dieser Frage versuche ich seit geraumer Zeit nachzugehen. Der Versuch einer kurzen Analyse des österreichischen Fußballs:

Schauen wir uns den Leidensweg der österreichischen Vertreter in der Europa League an. Der SV Ried war die erste Mannschaft, der gezeigt wurde, wie das internationale Geschäft so läuft. In der Qualifikationsphase zur Europa League traf man auf PSV Eindhoven. Zu Hause erkämpfte man sich beherzt noch ein 0:0, in Holland gabs dann die Klatsche. Mit 5 Toren und gesenkten Köpfen trat man die Heimreise an. Damit war der Herbstmeister der laufenden Saison der erste österreichische Verein, der das europäische Parkett verließ.

Für Austria Wien war in der Gruppenphase Schluß. Man konnte 8 Punkte holen, die aus 2 Siegen, 2 Unentschieden und 2 Niederlagen resultieren. Immerhin konnten die Wiener dem heimischen Publikum zumindest gegen Malmö einen Sieg präsentieren – ebenso auswärts. Gegen den gestrigen Gegner der Salzburger setzte es ebensfalls nur Niederlagen. 6 Treffer kassierte man, aber immerhin netzten die Wiener zweimal gegen die Ukrainer ein.

Der amtierende Meister Sturm Graz war in der Gruppenphase am wenigsten erfolgreich. Allein gegen AEK Athen konnte ein Sieg auswärts verbucht werden, alle anderen Spiele in der Gruppe mit eben AEK Athen, Anderlecht und Lok Moskau gingen verloren. 3 Punkte, 5 Treffer erzielt, 14 bekommen, letzter Platz. Auf Wiedersehen.

Die Gruppenphase des FC Red Bull Salzburg war hingegen wiederum erfolgreich, wenn auch die Fans nach der Auslosung ziemlich “geschluckt” haben. Bilbao, Paris St. Germain – das sind schon “echte Brocken”. Allein gegen Slovan Bratislava rechnete man sich Chancen aus. Doch da kam es anders, als man erwartete. Bratislava war der erhoffte Punktelieferant (aber kein “Jausengegner”), in Bilbao erkämpfte man sich ein Unentschieden – nur der Schiedsrichter verhinderte den Sieg den Salzburger. Paris konnte beherzt vor eigenem Publikum in der wahrscheinlich spannendsten Partie überhaupt mit 2:0 geschlagen werden – ja, am 1.12. war in Salzburg tatsächlich schon “Weihnachten“. Bei der Auslosung für die KO-Phase lachten nur die Vertreter von Kharkiv. Wie man seit gestern weiß – zu Recht.

Der Österreichische Fußball macht international keine “Meter”. Ob auf Klubebene in der Europa League oder auf Nationalmannschaftsebene bei den Qualifikationen zu EM oder WM. Böse Zuungen behaupten, dass Österreich nur bei einer EM/WM mitspielen kann, wenn man den Bewerb selber ausrichtet. Provokant, aber leider richtig. doch woran liegt es, dass die österreichischen Vereine ein gern gesehener Punktelieferant auf dem internationalen Parkett sind?

In Wahrheit ist der Österreichische Fußball am Ende. Die Kollegen von 90minuten.at haben dieses Thema schon kurz nach der ersten Niederlage gegen Kharkiv aufgegriffen. Ausschlaggebend für das schlechte internationale Abschneiden der Österreicher auf dem internationalen Parkett ist die Bundesliga ansich. Der “moderne Fußball”, der in den anderen europäischen Ligen gespielt wird, überfordert auf Dauer jeden österreichischen Verein – egal woher er kommt. Es verlangt ein strategisches Umdenken  – sowohl auf Vereinsebene, als auch auf der Ebene unsere Nationalteams. Der Holzhacker-Fußball, der auf vielen heimischen Plätzen betrieben wird, ist nicht förderlich für die Entwicklung. Das wenig taktisch und kreative Spiel in Österreich führt dazu, dass gute Kicker in Österreich immer schlechter werden. Und wenn der Gegner “übermächtig” erscheint, stellt man sich einfach mit 8 Mann hinten rein. Das Patentrezept, das keinen ansehnlichen Fußball aufkommen lässt. Lieber abwarten, bis sich etwas “ergibt”.

Da reicht auch kein Blick in anderen Ligen, was Neo-Nationalcoach Koller gerne tut. In Österreich wird nicht agiert, es wird abgewartet. Abgewartet, bis der Gegner einen Fehler macht. Trifft man auf internationaler Ebene auf eine Mannschaft, die agressives Pressing beherrscht und deren Spiel ein “kreatives” ist, dann ist schnell mal “Schluß mit lustig”. Da reicht kein Wille, kein Kampfgeist. Da werden Ried, Austria Wien, Sturm und auch Salzburg “vorgeführt”. 26 Tore konnten Österreichs Mannschaften im Euopa League Bewerb erzielen, 38 haben sie bekommen. 21 Punkte holten die Österreicher von 66 möglichen! Auch wenn wichtige Punkte für die 5-Jahreswertung geholt wurden, wäre da meiner bescheidenen Meinung nach weit mehr “drin” gewesen.

Solange die Bundesliga und die Trainer in Österreich nicht einen Umdenkprozess starten, solange werden wir auf dem internationalen Parkett “kein Leiberl” haben, denn “kreatives Spiel” ist und bleibt in Österreich ein Fremdwort. Es fehlen die Strategien, die Konzepte. Und da ist jeder Bundesligaverein, aber auch der Nationaltrainer gefordert.

Wir bitten um Bewertung! Danke!

 

Über Alex Januschewsky

Alex Januschewsky
Alex Januschewsky wurde 1968 in Salzburg geboren und ist seit Mitte der 1970er Jahre Fan des Salzburger Spitzenfußballs - mit Leib, Herz und Seele. Er war Mitglied von heute nicht mehr existenten SV Austria Salzburg Fangruppierungen, ging aber den Weg der Fan-Neugründung im Jahr 2005 nicht mit. Seit 2010 ist er Herausgeber von SALZBURG12.at und zuständig für Neuigkeiten, Vorberichte sowie die Liveberichterstattung von den Spielen. Außerdem ist er Mitglied des Fanbeirats des FC Red Bull Salzburg

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